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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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italienischen Lehrer hat zwar einen engen, zusammenhängenden Bau, ist eine festgeschlossene Perlenreihe von Deutungen und geistreicher Gedanken und behandelt weitausführend den inneren Wert eines sittlichen oder religiösen Spruches; es finden sich in ihren Homilien aber doch Spuren und Hinweise darauf, daß auch die populäre Ansprache und die Exhortation aus diesen Predigten nicht ausgeschlossen blieben. — In diesen Reden, deren hebräisches Concept uns vorliegt, erscheint die Methode der Deutung fortgeschritten und gewandt, die Darstellung der Glaubenswahrheiten tief, nicht selten philosophisch, Stil und Ausdruck zeigen Gemessenheit mtb eine bemerkenswerte Gesetzmäßigkeit. Man kann darüber kaum im Zweifel sein; diese feingebildeten Prediger werden sich wohl bei dem öffentlichen Vortrage auch der vollen Kraft des Ausdruckes, der Eindringlichkeit des gewählten Wortes, der sinnvollen Ausführung durch Bild und Redefigur bedient haben. Von einzelnen kann man das mit einiger Bestimmtheit behaupten. Nissim Gernndi ‘) in Barcelona weist in einer seiner Reden in schlichter, einfacher Erzählung auf die verheerende Krankheit hin, welche damals, um die Mitte des 14. Jahrhunderts, Europa heimsuchte. Jsac Arama im nördlichen Spanien schrieb zu wissenschaftlichen Zwecken ein Deraschawerk, in welchem jeder Vortrag mit einem Thema und einer streng philosophischen Betrachtung eröffnet wird. Aber in der Einleitung^) seines Buches beruft er sich auf das Beispiel der populären Prediger aus dem Orden der Dominikaner. Mose Almosnino, der berühmte Redner aus Salonich, der vor seine Texte auch enygmatische Sprüche setzt, gibt in einer seiner Reden-') Rechenschaft über sein Wirken am Hofe Selim des zweiten, wo er im Vereine mit seinem Gönner, dem Fürsten Don Joseph, für die Gemeinde Freiheiten lind Privilegien erwirkt hatte. Im Schlußgebete der Homilie berührt er ebenfalls diese Ereignisse. Asarja Figo, der venezianische Rabbiner aus dem 17. Jahrhunderte, zeigt in seinen Arbeiten, in denen er auf den Text einen selbständig behandelten sittlichen Gedanken folgen läßt, Abrundung und zusammenstimmende Einheit. Am Schluffe der Rede 4) deutet er in wenigen Worten an, daß er es in der Homilie auch an der Anwendung der Lehre, an der Besprechung der sittlichen Mängel, an dem Aufrufe zur Veredlung nicht ganz habe fehlen lassen. Deutlicher und bestimmter tritt das Bestreben, einfach und volkstümlich zu sein, im 18. Jahrhundert hervor. Allerdings bilden auch da noch Auslegungen und Deutungen die Hauptbestandteile der Rede. An reiner Exegese, an wissenschaftlicher Tiefe und an Festigkeit der Konzeption bleiben die Lehrer des Nordens hinter den spanisch redenden Rabbinern zurück. Man liest Erklärungen und Ausführungen der Schriftstellen und der Agadasätze, welche verschlungen, spitzfindig und gewagt sind. Der Vorgesetzte Text wird nicht festgehalten. Der Redner gleitet von Stoff zu Stoff, von Gedanken zu Gedanken. Aber man sieht es bei alledem deutlich, daß diese Redner Gemeinverständlichkeit im Auge haben, daß sie klar und faßlich sein wollen, daß sie es anstreben, die Seele und das Herz der Hörer zu getvinnen. Die Reden des berühmten Lehrers Jonathan Eibenschütz, des scharfsinnigsten Talmudisten seiner Zeit, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zuerst in Metz, nachher in Hamburg und Altona als Lehrer waltete, enthalten nebst den kühnen Deutungen und kunstvollen Erklärungen auch ') Nissim, 13 Deraschot. ed. Prag S. 57 b. 8) Medat Jizchak, Einleitung. 3) Meamez Koach S. 7a, b; 12a, b; 15b. 4) Bina laitim, ed. Brünn I. 10d; 34c; II. Ib; 2c; 44d;

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