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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-07-01 · Heft 7 (1.7.1887) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 7 (1.7.1887)
Date
1887-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 in dem Herzen seiner Gemeinde die Glut für die lauteren Menscheutugenden, welche eine Grundsäule des Judentums bilden. Er will und möchte, daß die Gläubigen an Edelsinn und Milde hervorragen und durch ihr musterhaftes Schaffen und Walten die Anerkennung aller Stämmen und Völker gewinnen. Dort kämpft der muterfüllte Held des Wortes für das Menschen- und Bürgerrecht seiner jüdischen Brüder. Er erfüllt den Geist der Hörer mit hoher Selbstachtung, er kräftigt ihr Bewußtsein mit der Kenntnis ihres eigenen Wertes und ermutigt zum Ausharren und Hoffen. In dieser Gemeinde tritt ein Mann auf, welcher die ewigen großen Lehren des Judentums in schwungvoller Rede hervorhebt, er faßt mit Siegesmut die Fahne der Wahrheit und kündet den Ruhm der Ankunft, wenn einst alle Völker und alle Menschen den Frieden und des Recht lieben und hinwallen zu dem Tempel des einig-einzigen Gottes. Und in jener Versammlung fließt milde Erklärung von der sanften Lippe des Redners. Er spricht von der Sitte der Väter, die er innig liebt, von der Weise und von der Sitte der Alten, welche so viel des Herrlichen birgt und wahrt. Die einfache Darstellung, der treue Hinweis auf die Herzlichkeit und Gefühlsinnigkeit unserer Ahnen stellt ein Bild vor die Seele, das nie entschwindet, dessen Eindruck ein mächtiger bleibt. Hier legt der gebildete Geist die Sätze aus dem heiligen Buche nach ihrer tiefen Bedeutung aus, wie sie in den Tagen der Vorzeit den Volksgeist weckten und führten, dort ergründet ein gelehrter Redner jeden Ausdruck, jedes Wort nach seiner Anwendung in der alten Sprache. Und an anderer Stätte weiß der kunstverständige Sinn der Erzählung der Schrift, dem Mahnrufe des Propheten, dem Gebete des Psalmdichters neue Gedanken zu entlocken und neue Geistesstrahlen leuchten zu lassen. Alls dem Grunde der alten Darstellung entwirft er ein neues wundervolles Gemälde sittlicher Vollendung und glaubengefestigter Lebenszuversicht. Dies sind die Schattierungen der neuen Rede. Nach so vielen Seiten hat sich die jüdische Homiletik ausgebildet, so erwuchs die jüdische Beredsamkeit in unserem Jahrhunderte. So vielverzweigt ist da alles, der kleine Sproß wurde rasch zum mächtigen Stamme. So weit die deutsche Zunge klingt .... und Söhne unseres Stammes trugen die Sprache Deutschlands nach vielen Gegenden und Ländern, . . . haben Männer höchster jüdischer Bildung den Baum der Rhetorik gepflegt und gehütet und haben dieser Beredsamkeit auch in andern Sprachen Nacheiferung und Nachahmung errungen und erstritten. Im raschen Fluge einiger Jahrzehnte entfaltete sich die Kanzelrede so vielseitig und vielgestaltig und weist nicht nur in der Mannigfaltigkeit des Gehaltes sondern auch in der Verschiedenheit der Form alle die Phasen und Schwingungen auf, welche die homiletische Kunst im Kreise anderer Religionsgesellschaften durch mehrere Jahrhunderte begleitet haben. Doch wenn auch die eigentliche Kunst der jüdischen Beredsamkeit erst in unserem Jahrhunderte ihre Begründung fand, so ist sie doch nicht ohne Beziehung zu den früheren Zeiten. Auch da kann und wird man die alles verschlingende und einende Kette des geschichtlichen Lebens finden und erkennen. So wenig wir über die Form der öffentlichen Vorträge im Mittelalter erfahren, so lassen doch die in den späteren Jahrhunderten ausgezeichneten Predigten den Schluß als gerechtfertigt erscheinen, daß man es damals auch verstand, einfach und volkstümlich zu sprechenx). Die Rede der spanischen und ') Bgl. Zunz, Gottesdienstliche Borträge, S. 357, 417, 421.

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