Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1887)
- Date
- 1887-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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135 A. Deutschlands ein sehr stark entwickeltes deutsches National- und Einheitsgefühl innewohnt, was freilich Viele derselben da und dort nicht behindert, nach ihrer Ueberzeugung und Tradition auch ausgesprochen liberalen Richtungen zu dienen. Auf dem Standpunkte des vom Parteikampfe des Augenblickes unbeeinflußten Beobachters aber scheint mir das letztere mit dem elfteren recht wohl vereinbar! Also, verehrter Herr Professor, Ihr Kampf ist nicht von so allgemeiner Bedeutung als Sie glauben, sollte vielmehr sich mehr auf das lokale Gebiet beschränken. Die Juden in Gesammt-Deutschland befinden sich weder in dem von Ihnen vorausgesetzten sklavischen Verhältniß zur Fortschrittspartei, noch weniger aber in einem antinationalen Fahrwasser. Dies zu betonen, scheint mir in deni Augenblick, wo Ihre Brochüre das Weichbild Berlins überschreitet, im Interesse unserer Sache und Stellung doch nicht ganz unnötig und ich bin überzeugt, daß Sie selbst — da es Ihnen nur um die letztere zu thun ist — dies würdigend meinen Widerspruch entschuldigen werden. Genehmigen Sie, geehrter Herr, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochschätzung! Frankfurt a. M-, im Mai 1887. Gustav Maier. Wonalsfchau. Im November dieses Jahres begeht Herr Professor Dr. Graetz in Breslau seinen siebenzigsten Geburtstag. Es ist eine Ehrenpflicht aller Schüler und Freunde des Jubilars, sowie aller Freunde jüdischer Geschichte und Wissenschaft, diesen Tag in würdiger Weise zu feiern. Zu diesem Zwecke hat sich daselbst, an der Stätte seines langjährigen Wirkens, ein Komitä gebildet, welches in Aussicht geuonimen hat, eine Graetz-Stiftung ins Leben zu rufen, eine Jubelschrift zu edieren, ein Ehrengeschenk und eine Adresse dem Jubilar zu überreichen. Möge das Komitä Förderung und Unterstützung finden, damit die Feier zu einer des Jubilars würdigen Ovation sich gestalte. Geldbeiträge sind zu richten an den Schatzmeister des Komitäs, I)r. Richard Grünfeld, Trinitasstr. 5/11. — In Dresden wurde Herr Dr. Ä. Winter zum Rabbiner erwählt und in Leipzig zum Prediger Herr Dr. Eckstein aus Berlin. — Das Rabbinat Oberdorf wurde Herrn Dr. Lam. Grün, bisher in Hohenems, übertragen. — Am 2. April feierte Herr Rabbiner Dr. Hahn in Btolp, geboren 1828 in Bohrau, das Fest seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit. Herr Rabbiner Dr. Goldschniidt aus Colberg hielt die Festpredigt. Hierauf sprach der Jubilar bewegte Worte des Dankes. Am selben Tage feierte Herr Kantor Moritz Liiw in Pietz sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. — Herr Rabbiner Dr. Kahmer in Magdeburg, der Herausgeber der „Israelitischen Wochenschrift", begieng am 3. April sein fünfundzwanzigjähriges Rabbinerjubilüum. — Am 25. April feierte die israelitische Gemeinde in Ireiburg im Kaufhaussaale daselbst das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum des dortigen Kantors und Religionslehrers Herrn I. Äommer. Die israelitische Gemeinde überreichte dem Jubilar, wie uns berichtet wird, eine künstlerisch ausgeführte Adresse und 1000 Mark als Ehrengeschenk, was hervorgehoben zu werden verdient. Der dortige Mendelssohn-Verein widmete ihm einen silbernen Pokal.