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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-06-01 · Heft 6 (1.6.1887) · p. Seite 134

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (1.6.1887)
Date
1887-06-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
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134 den Schutt geistiger Verirrung von Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, gründlich wegzuräume». Natürlich war das jähe Erwacheil ans diesem schönen Traume auch ein weit schrecklicheres, als im ganzen übrigen Deutschland, wo man — sagen wir glücklicherweise — von solch hochgehenden Illusionen befreit geblieben und deshalb auch von dem Rückschläge weit weniger überrascht worden war. Andererseits befanden sich die Berliner Freunde gerade im Centrum der Agitation, am eigentlichen Herde der Hexenküche, aus welcher sie hervorging.— Sl'e, die sich der besten Absichten bewußt waren, wurden direct und zunächst von den unsauberen Wellen jener unseligen Sturmfluth getroffen, während zu uns im Lande draußen nur der Schaum hinüberspritzte. — Was war natürlicher, als daß gerade in Berlin sich die Reaktion am stärksten geltend machte und daß unter dem Eindrücke so gewaltiger, erbitternder Gemütsbewegung die Inden sich mit aller Zähigkeit an diejenige Partei anklammerten, welche — leider die einzige — mannhaft für sie und die moderne Staatsidee eingetreten war? — Speziell die allgemeine Abwendung von den Nationalliberalen, welchen bis dahin auch viele Berliner jüdischen Kreise warm zugethan gewesen waren, erschien um so natürlicher, als diese Partei ans Opportunitätsgründen den unverzeihlichen politischen Fehler begangen hatte, gegenüber einer so schmachvollen Bewegung nicht einzutreten, vielmehr den Kopf unter die Flügel zu stecken. Diese Dinge wirken unzweifelhaft und begreiflicherweise noch heute in Berlin und in vielen Bezirken Norddeutschlands nach. Die Konsequenzen treffen aber demgemäß in ihrer vollen, von Ihnen zu Grunde gelegten Bedeutung, auch nur auf diesem Boden in ihrem ganzen Umfange zu. Auch heute noch, wie vordem» gehören im übrigen Deutschland, speziell in Süddeutschland, die Juden den allerverschiedensten Parteirichtungen an und werden besonders in den Reihen der nationalliberalen Partei aller Orten ziemlich zahlreich und thätig gefunden, während freilich auch Viele — nicht etwa aus Rückwirkung der antisemitischen Bewegung, sondern aus allgemeiner Überzeugung — den fortgeschritteneren Parteirichtungen folgen. Und dieses Verhältnis erscheint mir, der ich keiner politischen Partei zur Zeit angehöre, im Einverständnis mit Ihnen auch vollständig richtig. Es ist nicht nötig, daß allen Bäumen eine Rinde wachse und Nichts ist für das Staatsleben in seinem Ganzen, wie in seinen Teilen, verderblicher, als wenn sich die Parteien nach konfessioneller Richtung absondern; denn gerade dadurch werden die Leidenschaften des politischen Kampfes auf das konfessionelle Feld immer niehr übertragen, wie dies die Entwicklung des sogenannten Kulturkampfes so deutlich gezeigt hat. — Und gerade im Staatsleben sollten doch, um mit Moses Mendelssohn zu reden, immer mehr die verbindenden als die trennenden Gesichtspunkte aufgesucht werden, und in dieser Richtung werden wir erst dann eine gewisse Stufe politischer Reife erstiegen haben, wenn man im Parteileben nach der Konfession des Staatsbürgers überhaupt nicht mehr fragen oder, wie dies im Auslande der Fall zu sein pflegt, diese letztere nicht einmal kennen wird. Von diesem objektiven Standpunkte aber sind gerade wir Juden auf unserem Seite — immer von Berlin abgesehen — denn doch nicht so weit entfernt, als Ihre dem Berliner Boden entsprungenen und daher nur auf diesen letzteren in ihrem vollen Umfange anwendbaren Ausführungen glauben lassen könnten. Im Gegenteile möchte ich auf die — in den 70er und auch schon in den 48er Jahren hervorgetretene — Thatsache Hinweisen, daß gerade den Juden

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