Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1887)
- Date
- 1887-06-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 schriftstellerisch thätig, schreibt für mehrere der angesehendsten Monatsschriften und ist Verfasser des im Jahr 1885 zum ersten Male erschienenen und jetzt eine zweite Austage erlebenden wissenschaftlichen Buches „The Origin of a Kepublican Form of Government in the United States“, eine Schrift, in der in recht selbständiger Weise den Ursachen des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes und des aus ihm hervorgegangenen gemäßigt republikanischen Staatswesens nachgeforscht wird. Die neueste schriftstellerische Arbeit des Herrn Strauß handelt von der Entwickelung der Religionsfreiheit in den Ver. Staaten. Strauß spricht französisch so geläufig wie englisch und deutsch, wird also auch sprachlich in Constantinopel gut zurecht kommen. Chicagoer nicht-jüdische Herren, die ihn kennen, schildern ihn uns als einen feinen, eleganten Herrn und zugleich als großen Pferdeliebhaber, mit entschieden jüdischen Gesichtszügen. Noch Henry Ward Beecher, der warme Freund der Juden, hatte den Herrn Strauß, nachdem die Gesandtenstelle in Constantinopel durch den Rücktritt des in's nationale Abgeordnetenhaus zurückgekehrten S. S. Cox von New-Iork erledigt worden war, dem Präsidenten empfohlen. Oswald Ottendorfer und Andere hatten sich der Empfehlung angeschlossen. Und so erhielt Strauß beim Präsidenten und beim Staatsnnnister den Vorzug vor verschiedenen anderen Bewerbern um den ebenso angenehmen als hohen Posten. Zum Ueberfluß hatte man von Seiten des amerikanischen Staatsdepartements auch noch beim türkischen Gesandten in Washington, Hussein Tevfik Pascha, angefragt, ob die hohe Pforte an der Ernennung eines Juden zum Gesandten bei ihr keinen Anstoß nehmen würde. Natürlich kam der Bescheid, daß der Sultan Abdul Hamid II. mit größtem Vergnügen einen achtbaren Israeliten als Gesandten der großen Republik empfangen werde. Auch der frühere Gesandte Cox verbürgte sich für den freundlichen Empfang des persönlich warm von ihm empfohlenen Herrn Strauß. Am Hofe des türkischen Großherrn ist nian in dieser Beziehung ebenso vernünftig wie am Hofe des ägyptischen Vizekönigs Mehemed Tewfik, dessen Vorgesetzter, wenigstens auf dem Papier, der türkische Kaiser ist. Der ägyptische Vizekönig empfieng ja den ihm im Jahre 1881 von Präsident Garfield nach Cairo gesandten jüdisch-amerikanischen Generalconsul Simon Wolf mit großen Ehren und schenkte ihm ein herrliches Schwert und ein auserlesenes arabisches Pferd. Die Regierung der Ver. Staaten hat auch dem Auslande gegenüber stets jedes Vorurteil gegen die Juden auf's entschiedenste verworfen, und schon manchem jüdischen Bürger dieses Landes ist von ihr ein bedeutendes Consulat übertragen worden. Ja, Präsident Grant schickte angesichts der damaligen scheußlichen rumänischen Judenverfolgungen den californischen Juden Peixotto auf den seinem Vorschläge gemäß errichteten Posten eines Generalconsuls in Bukarest, um aller Welt z>l zeigen, wie sehr diese Republik so barbarische Vorurteile verachte. Ein Mann jüdischer Abkunft ist auch schon amerikanischer Gesandter gewesen, nämlich der New-Iorker Bankier August Belmont in Belgien unter Präsident Pierce. Aber Belmont war damals längst zum Christentum übergetreten, und der Posten in Brüssel ist nur der eines „Minister Resident." Dagegen steht der Gesandtenposten in Constantinopel im Rang dem in London, Paris, Berlin, St. Petersburg und Rom gleich. Und Herr Strauß ist der erste vollgültige Jude, der von Seiten der Ver. Staaten eine so hohe Diplomatenstelle bekommen hat. In europäischen Ländern dagegen — mit Ausnahme Frankreichs, welches einen Juden wie Cremieux sogar mehrmals zu einem seiner Regierer (zum Mitglied