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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-06-01 · Heft 6 (1.6.1887) · p. Seite 130

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (1.6.1887)
Date
1887-06-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 Parteiwechsel des Königs entstand eine große Gefahr für die Erhaltung und Fortpflanzung des überlieferten Gesetzes, und darum mahnte der Präsident des großen Synhedriums, Josua b. Perachja, daran, sich einen Lehrer und Studiengenossen zu schaffen und zu erwerben, damit die Tradition erhalten werde; er mahnte aber auch mit Rücksicht auf jene verhängnisvolle Aeußerung des Juda b. Giddim, daß man nicht nach unsicheren Vermutungen und Gerüchten, sondern, ohne unumstößlichen Beweise, einen jeden Menschen nur nach der guten Seite beurteilen sollte. 7. „Nitthai aus Arbel sagt: Halte dich fern von einem bösen Nachbar, geselle dich nicht einem Frevler und gieb den Gedanken an Vergeltung nicht auf." Dem Beispiele des Königs Hyrkan mochten viele aus dem Volke gefolgt sein und, um ihm zu gefallen, aus Strebertum, um Staatsämter zu erlangen, sich der Partei der Sadduzäer angeschlossen haben. Gegen diesen treulosen Abfall zu Leuten, welche in den Augen der Pharisäer als böse Nachbarn und Frevler galten, wendet sich Nitthai, warnend vor Anschluß an jene, welche an Vergeltung nicht glauben. — 8. „Juda, der Sohn Tabbai's, und Simon, der Sohn Schetach's, empfingen von ihnen. Juda, der Sohn Tabbai's, sagt: Mache dich nicht zu einem (parteiischen) Sachwalter unter den Richtern, und solange die Prozeßführenden vor dir stehen, seien sie in deinen Augen wie unschuldig, so sie den Urteisspruch auf sich nehmen." Auch Hyrkan's Söhne und Nachfolger in der Herrschaft Judäa's, Juda Aristobul (106— 105) und Alexander Janna'i <105—79), waren Sadduzäer, und so kam es, daß die wichtigsten Staatsämter, daß die meisten Sitze im großen Synhedrium von Anhängern der Sadduzäer eingenommen wurden. Und wie leicht konnte es da geschehen und geschah es wohl auch thatsächlich, daß die Partei-Erbitterung nicht nur das soziale Leben, sondern auch die amtlichen Grundlagen beeinflußte, daß sie selbst bis in den Gerichtssaal drang und die Richter bewegte und erregte! Der Richter aber soll ja zu jeder Zeit über den Parteien stehen und sich das Urteil ohne jede Rücksichtnahme, ohne jede Voreingenommenheit bilden; unparteiisch soll er selbst in politisch unruhigen Zeiten sich bewähren. Das ist's, was Juda b. Tabbai für notwendig erachtete, seiner Zeit ans Herz zu legen. 9. „Simon, der Sohn Schetach's, sagt: Forsche viel die Zeugen aus und sei vorsichtig mit deinen Worten, sie könnten sonst aus ihnen lügen lernen." Dieser Spruch hat denselben historischen Hintergrund als der vorhergehende, und ist gewissermaßen die Ergänzung desselben. Soll der Richter unparteiisch zu Werke gehen, so muß er die Zeugen der Prozeßführenden ausforschen, durch die verschiedensten Fragen ihre Festigkeit und Zuverlässigkeit prüfen und selbst in der Art der Fragestellung vorsichtig sein, um ihnen nicht eine Handhabe zu falschen Aussagen und lügnerischen Zeugnissen zu bieten. 10. „Schemaja und Abtaljon empfingen von ihnen. Schemaja sagt: Liebe die Arbeit, hasse die Herrschaft und gieb dich nicht der Strafgewalt zu erkennen." In jenen traurigen Tagen, da nach dem Tode der Königin Salome Alexandra (79) zu dem Partei-Hader der Pharisäer und Sadduzäer sich auch noch der weltliche Hader des Bruderpaares Hyrkan II und Aristobul um den Thron ihrer Mutter gesellte, und während sich Aristobul den Sadduzäern anschloß, durch Hyrkan einerseits die Römer (Poinpejus) in die inneren Ange-

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