Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1887)
- Date
- 1887-06-01
- Page
- Seite 129 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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129 4. „Jose, der Sohn Joeser's ans Zereda und Jose, der Sohn Jochanan's aus Jerusalem empfingen von ihnen. Jose, der Sohn Joeser's aus Zereda sagt: Es sei dein Haus ein Haus der Zusammenkunft für die Weisen, bestäube dich mit dem Staub ihrer Füße und trinke mit Durst ihre Worte." Als Antiochus Epiphanes gegen das Judentum wütete (169—163 v. u. Z.), als er alles religiöse Leben und Studium bei Todesstrafe verbot; als die heilige Schrift zerrissen und verbrannt, und das Haus, in welchem die Gelehrten und Mitglieder des großen Synhedriums zu tagen pflegten, geschlossen wurde, — da mahnte Jose b. Joeser, das zeitige Synhedral-Oberhaupt, daß man das eigene Haus für religiöse Zusammenkünfte öffne, um so die Lehren der Weisen lebendig erhalten und das offizielle Verbot des Gesetzesstudiums vereiteln zu können. 5. „Jose, der Sohn Jochanan's aus Jerusalem sagt: Weit geöffnet sei dein Haus, Arme seien deine Hauskinder, und laß dich in keine große Unterhaltung mit Frauen ein. (Dies gilt von der eigenen, und um wieviel mehr von der Frau des Nächsten. Demgemäß sagten die Weisen: Wer sich viel mit Frauen unterhält, fügt sich selbst Unheil zu, vernachlässigt das Gesetzesstudium und erbt schießlich die Hölle)." Zu allen Zeiten ist es notwendig, zwecks der Ausgleichung der sozialen Kluft zu Gunsten der Armen an die Bessersituirten zu appellieren, aber weit dringender wird diese Pflicht, sobald die soziale Ungunst die Folge und Wirkung religiöser Kämpfe ist. Da gilt es, sich der Armen in höherem Maße anzunehmen, um zu verhüten, daß sie aus materiellen Gründen ihrer Ueberzeugung untreu werden, um sie in der Treue zu stärken und zu festigen. Und traurig war die Schreckenszeit der syrischen Verfolgung, durch welche gar viele Familien in Armut und Elend gerieten, und um diesem verderblichen Zustande nach Möglichkeit den bitteren Stachel zu nehmen, forderte Jose b. Jochanan die Aufnahme der Elenden und Verlassenen ins Haus. Zugleich jedoch fügte er warnend hinzu, daß man sich mit Frauen — wenn diese nämlich als Arme und Verlassene im Hause Aufnahme finden — nicht viel unterhielte, weil man dadurch leicht in Unfittlichkeit geraten könnte. (Nedarim 20 a Sirach 9,9. — Die beiden letzten Worten in unserm Satze sind zwei spätere Glossen und gehören nicht zu Jose's Spruch). — 6. „Josua, der Sohn Perachja's, und Nittai aus Arbel empsingen von ihnen. Josua, der Sohn Perachja's, sagt: Schaffe dir einen Lehrer, erwirb dir einen Studiengenossen und beurteile jeden Menschen nach der guten Seite." Unter der Herrschaft des ersteil Hasmonäerfürsten Johann Hyrkan (135—106) standen einander die beiden Parteien der Pharisäer und Sadduzäer schroff gegenüber, von denen die ersteren die Thätigkeit der früheren Sopherim fortsetzten und auf den Ausbau, die Weiterbildung und Fortpflanzung des Gesetzes, sowie auf die genaue Beobachtung der mannigfachen Vorschriften und Lehren bedacht waren, während die Sadduzäer sich von dem „Zaune,, des überlieferten Gesetzes entfernten und an manchem Satz, wie beispielsweise an den von Lohn Vergeltung im Jenseits nicht glaubten. Der König gehörte anfangs, wie des Volkes Mehrheit, zu den Pharisäern; doch durch die unvorsichtige, voreilige Aeußerung eines Schriftgelehrten, Juda's b. Giddini, daß nämlich der König die Hohenpriesterwürde niederlegen möchte, weil seine Mutter in Modiim eine Gefangene in den Händen der Syrer gewesen wäre, durch diese erlvieseueriuaßeu unwahre Aeußerung des Pharisäers verletzt und gereizt, ließ es der König der gesamlnten Partei entgelten und wandte sich den Sadduzäern zu. Durch diesen