Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1887)
- Date
- 1887-06-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Mächtig und überraschend isk der Umschwung der Gesinnung, welcher sich in dem Volksgeiste zur Zeit der Mackabüerkämpfe kundgibt. Während das Volk des babylonischen Exils sich nicht scheut, Ehen mit Heiden zu schließen und zum großen Teil noch kein Bewußtsein von seiner religiösen Aufgabe hat, ist man zur Zeit der Kämpfe gegen Antiochus Epiphanes von unvergleichlicher Begeisterung für die Religion erfüllt. Dieser Umschwung und diese Veränderung ist lediglich durch gute Leitung, Schulung und Erziehung des Volkes seitens einer religiösen und nationalen Körperschaft bewirkt und herbeigeführt worden, — einer Körperschaft, welche ihre wirksame und erfolgreiche Thätigkeit in der am 24. Tischri durch Nehemia und Esra berufenen Volksversammlung (Neh. K. 9) begann und die Bezeichnung „Männer der großen Versammlung" erhielt. Sie befleißigte sich, eine Thätigkeit und Wirksamkeit zu entwickeln, >vie sie in unserem Spruche angerathen wird, mit Sorgfalt die religiöse Entscheidung zu handhaben, Gesetzeskunde zu verbreiten und Gesetzesübertretung zu verhüten durch „Umzäunung" der Lehre.— 2. „Simon der Gerechte gehörte zu den letzten Männern der großen Versammlung. Er pflegte zu sagen: Auf drei Dingen steht die Welt, auf der Lehre, dem Dienste und der Erweisung von Liebespflichten." Zur Zeit Simon's des Zweiten, gegen Ende des dritten Jahrhunderts v. u. Z., begann man in Judäa einerseits nach dem Beispiele des ägyptischen Hofes unter Ptolemäus IV. Philopator unkeusch, verschwenderisch und genußsüchtig zu leben; andererseits aber wuchs auch das andere Extrem und es mehrte sich die Zahl der sich kasteienden Chassidäer. Gegen beide Extreme nun eiferte Simon II., der sich wohl darum auch um den Namen des Gerechten verdient gemacht hat, und er wies mit seinem Spruche auf den rechten Eifer hin: Nicht Genußsucht, nicht Verschwendung, aber auch nicht übermäßige Kasteiung, sondern allein Thorakenntnis, Gottesdienst und Liebeswerke sind die Zielpunkte, wie Grundlagen des menschlichen Lebens. — 3. „Antigonos aus Socho empfing von Simon dem Gerechten. Er pflegte zu sagen: Seid nicht wie die Knechte, welche ihren, Herrn dienen, um Lohn zu erhalten, sondern seid wie die Knechte, welche ihrem Herrn dienen ohne die Absicht, Lohn zu erhalten, und es sei die Furcht Gottes auf euch." Noch weit mehr als unter der ägyptischen, trat unter der Oberherrschaft der syrischen Könige der Gegensatz der griechischen Kultur, welche seit Alexander dem Großen sich in Vorderasien geltend machte, und des Judentums zu Tage. Und besonders zur Zeit als Antiochus Epiphanes auf den Thron gelangte (175 v. u. Z.) schnitt die griechische Lebensart so sehr ins Fleisch der Juden, daß die beiden Parteien der jüdischen Hellenisten und der Chassidäer einander feindlich gegenüberstanden. Natürlich fanden die ersteren in den, Könige einen Förderer, Beschützer und Gönner, der selbst die bis dahin in den Händen der Nachkommen Zadok's (Ezech. 44,15) befindliche, tadellos geführte Hohenpriesterwürde an Leute hellenischer Gesinnung, an Jason, Menelaos, Alkimos um Geld verkaufte und auf ihren Antrieb einen furchtbaren Kampf gegen die Getreuen des Judentums erregte. Da begann für diese eine böse, traurige Zeit, während die gottlose und frevelhafte Gegenpartei sich im Glücke befand, und gar manches Gemüt mochte von der Frage nach Lohn und Vergeltung bestürnit und in diesem Glauben irre geworden sein. Gegen diese Zeitstimmung nun wendet sich Antigonos aus Socho, indem er meinte: Das Wohlergehen der Hellenisten, das Unheil der frommen Chassidäer darf den Glauben an Lohn und Vergeltung nicht erschüttern, und man muß nur immer Gott dienen ohne die Absicht, den Lohn sogleich zu erhalten, wie Knechte, die ihrem Herrn aus reiner Ehrfurcht dienen.