Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-06-01 · Heft 6 (1.6.1887) · p. Seite 127

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (1.6.1887)
Date
1887-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969740-2969747--1976-2972141
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gegen die alten Feinde. Die Kampfesweise jedoch muß jetzt eine wesentlich andere sein, als die des Mittelalters gegen die Angriffe der Aristoteliker. Es genügt jetzt nicht, dickleibige Bücher religionsphilosophischen Inhalts, mit polemischem oder apologetischem Charakter, zu veröffentlichen, da bei dem angekränkelten Geschmacke der Zeit solche Schriften kaum die Aussicht haben würden, von einem größeren Publikum gelesen zu werden. Dem Geschmacke der Zeit entsprechend, müssen die Widerlegungen in populärer Form, und zwar nicht in Büchern, sondern in Zeitschriften dem gebildeten Publikum zugänglich gemacht werden. Der andere Weg der Verbreitung der religiösen Wahrheiten des Judentums ist der Schulweg. Ein Sprichwort sagt: „Wer sich auf dem Schulwege verirrt, findet sich im ganzen Leben nicht zurecht." Dieses gilt nicht blos von einem verfehlten Lebensberufe, sondern auch von der Vernachlässigung der religiösen Erziehung in der Schule. Der Religionsunterricht muß einen integrirenden Teil des gesammten Schulunterrichts bilden, muß mit Wärme und Begeisterung von Seiten des Lehrers erteilt werden, muß aber auch im Elternhause die gehörige Unterstützung finden, wenn die Jllgend vor dem giftigen Hauche der modernen Zeitströmung bewahrt werden soll. Auch die Kanzel vermag viel zur Widerlegung der falschen Anschauungen in religiöser Beziehung beizutragen. Auf ein Moment müssen wir jedoch ganz besonders aufmerksam machen, und dies ist die Verwertung religionsphilosophischer Ideen in der Predigt. Denn es ist sicherlich nicht zu verkennen, daß die jüdische Predigt der Gegenwart sich viel zu wenig um den Verstand und das, was diesen interessiert, bekümmert. Sie legt es größtenteils blos auf die Erbauung der Gemüter an, während die ganze Zeitrichtung durchaus mit Verstand begriffen und gewürdigt werden will, dem Gefühlsdusel jedoch ganz oder fast ganz unzugänglich ist. Was nutzt das ewige Pochen auf die „ewigen Wahrheiten unserer heiligen Lehre", wenn die Zuhörer diese Wahrheiten entweder gar nicht kennen oder gar nicht begreifen, oder, was noch schlimmer ist, dieselben bestreiten. — Aber auch für diejenigen, welche die genannten Wahrheiten kennen und anerkennen, ist eine öfters erneuerte Untersuchung notwendig, denn der Besitz der Wahrheit macht träge, und Trägheit führt zum Jndifferentismus oder zum Aberglauben. — Wir schließen mit den Worten Mendelssohns in seinen „Morgenstunden": „Der Geist der Untersuchung muß immer von Neuem rege gemacht und unterhalten werden, wenn die Wahrheit, die wir anerkennen, einigen Wert für uns haben soll". . . „Nach dem natürlichen Zirkellauf der Dinge führt Wahrheit zur Beruhigung, Beruhigung zur Trägheit und Trägheit zum Aberglauben." Münster, im April. F. Pie Sprüche der Mler und ihre historischen Beziehungen. Bon Rabbiner I)r. S. Friedmann in Lublinitz. 1. „Mose empfing die Lehre vom Sinai und überlieferte sie dem Josua, Josua wieder den Aeltesten, die Aeltesten den Propheten, und die Propheten überlieferten sie den Männern der großen Versammlung. Sie sprachen drei Worte: Seid vorsichtig im Gericht, stellet viele Schüler aus und inachet einen Zaun für die Lehre."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.