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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-06-01 · Heft 6 (1.6.1887) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 6 (1.6.1887)
Date
1887-06-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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123 in den süßen Lanten Arabiens, in den weichen Tönen Aram's ließ, wie unsere Weisen bemerke», der Ruf des göttlichen Wortes sich vernehmen, klar und offen lag sein Inhalt vor aller Augen, jedem Kinde verständlich, aber sie wollten nichts davon wissen. Was steht in dieser Lehre? fragte Edoni, du sollst nicht morden? Mein Vater hat mir das Wort eingeprägt: „Durch dein Schwert wirst du leben", durch die eiserne Gewalt wirst du bestehen, durch der Waffen Macht, durch des Krieges Kunst, durch des Kampfes Sieg wirst du dich erheben und ich sollte ein Gesetz anerkennen, das den Mord ohne jede Einschränkung verbietet? Was steht in dieser Lehre? fragte Moab. Heilig soll der Bund der Treue sein, heilig die Liebe im Familienkreise, der Friede des Hauses und ich bin ein Mann der Welt und nicht des Hauses, ich verschmähe die stille Heimat und ein Gesetz soll mich an sie fesseln? Nein! Was steht in dieser Lehre, fratge Jsmael, du sollst nicht stehlen? Wie? Gehört nicht die Erde allen Menschen, die auf ihr leben und hat nicht jeder ein gleiches Recht auf ihre Gaben und Segnungen? Freiheit wollen wir, die Freiheit, die das Thier im Walde und der Vogel in der Luft und der Fisch im Wasser hat, und von einem Gesetze, das das Eigentum heiligt, Schranken aufrichtet zwischen Besitz und Besitz, zwischen Mensch und Mensch, von einem solchen Gesetze wollen wir nichts wissen. Wenn nun schon diese gewöhnlichen Gebote der Sitte und des Rechtes, der Vernunft und der Menschlichkeit, auf allen Seiten dem offenen Widerspruche begegneten, wie konnte man da Verständnis und Empfänglichkeit erwarten für höhere Lehren, die den Geist zum Bewußtsein seiner göttlichen Weihe erwecken, und das Herz über die Niedrigkeit des Gemeinen vollends erheben? Allen Völkern der Erde war sie gegeben und vorgelegt worden, die Lehre, die einst auf Sinai's Höhen verkündet wurde, aber nur Israel hat sie empfangen und auf sich genommen, hat sie empfangen freudig und bedingungslos, gehorsam und ergebungsvoll, hat sie auf sich genommen als das leitende Gesetz und als die beherrschende Macht seines Lebens. Wir sind es, die wir einer in Laster und Thorheit versunkenen Welt gegenüber uns haben erhoben zu der Sonnenhöhe wahrer Erkenntnis und vollendeter Gesittung, wir sind es, die wir in die Finsternis des irdischen Lebens haben den Strahl himmlischer Erleuchtung hineiugetrageu und was die Menschheit besitzt an Gaben sittlicher Veredlung und geistiger Gehobenheit, das hat sie aus der Lehre Israels empfangen, das ist Frucht des Heilesstammes, der bei Sinai gepflanzt wurde, jenes Lebensbaumes, dessen Wurzel der reine und wahre Gottesglaube, dessen Krone Geistesfreiheit und Selbstbeherrschung ist. Die Lehre, die uns Moses gegeben, die unser eigenster Besitz und unser herrlichstes Geistesgut ist, soll aber auch ein Erbe der Gemeinde Jakobs bleiben für und für. Nicht etwa, daß wir es nötig hätten, mit furchtsamer Aengstlichkeit über diesen Besitz zu wachen, damit sein Genuß nur Israel zu Teil werde und andere Menschenkreise davon ausgeschlossen seien. Das Licht verliert nichts an Glanz und Klarheit, wenn sich andere Lichter an ihm entzünden und das Judentum verliert nichts an seiner erhabenen Reinheit, wenn mit dem ihm erborgten Glanze auch andere Lehren sich schmücken. Nicht daß wir aus unseren Lehren ein Geheimnis machen wollten, daß sie den Blicken anderer entzogen bleiben und wir allein im Dunkeln ihres Lichtes uns erfreuen und gleichsam nur im Stillen unseren Glauben bewahren und erkennen. Das wäre eine recht klägliche und zwecklose Aufgabe, mit deren Erfüllung weder uns noch der Menschheit gedient wäre. Nein, so wie unsere Lehre gegeben wurde, frei und öffentlich vor aller Welt, so sollen auch wir sie weitertragen, sie bekennen 11*

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