Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1887)
- Date
- 1887-06-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 sonder Scheu und Zagen, nicht zurückschreckend vor dem leeren Wahn, vor der hohlen Scheinweisheit, vor dem anmaßenden Lügengeiste, der sich im Bunde mit oberflächlicher Halbbildung in unserer Zeit so breit macht, sollen sie bekennen mutig und gesinnunsgvoll, ernst und würdevoll und uns nicht beirren lassen von den wüsten und krankhaften Träumereien, die man uns an die Stelle gesunder und geläuterter Wahrheit geben will. Ja die Lehre vom Sinai, die über den Wechsel des Irdischen und Vergänglichen, zur Betrachtung des allumfassenden Ewigen uns erhebt, die allem Wahne und Frevel, der Gottlosigkeit wie der Vielgötterei, diesen beiden verhängnisvollen Entartungen des in der Dunkelheit wandelnden Geistes, den Krieg erkärt, dem Menschen das Bewußtsein seiner Würde einflößt, die Innigkeit des Familienlebens als die Grundlage aller Wohlfahrt hinstellt, das Leben eines Jeden als ein geheiligtes unverletzliches Gut betrachtet, Treue und Aufrichtigkeit in allen Lebensbeziehungen gebietet, alle offene und geheime Unredlichkeit verbannt, gegen Verläumdung und lieblose Gehässigkeit nachdrücklich eintritt, Mäßigung, Selbstbescheidung und Neidlosigkeit gebietet und Selbstbeherrschung als den Grund und Gipfel aller Tugend betrachtet, die ist die Lehre der ewigen Wahrheit, die Lehre Gottes, die wir als unser unveränderliches Erbe anzüsehen baben und nicht unserem wandelbaren Gutdünken und unserer schwankenden Anschauung unterwerfen können. Daß diese Lehre ewiglich fertbestehe und stets in Geltung und Uebung bleibe, dafür zu sorgen und einzustehen ist unser Beruf und wenn eine ganze Welt sich gegen sie auflehnt, wir müssen sie als unseren kostbarsten Lebensschatz und als unser göttliches Heilesgut bewahren und erhalten. Darum haben unsere Väter lieber ihr Haupt unter das Schwert gelegt, als daß sie es gebeugt hätten, vor der gebieterischen Macht des Wahnes, darum haben sie lieber ihre Leiber den Flammen übergeben, als daß sie hätten ihren Geist in die Dunkelheit gesenkt; zerstreut und zerteilt durch alle Welt blieben sie einig in der Erfiillung des großen Berufes, den sie bei Sinai empfangen hatten, einig in der Bewährung unserer heiligen Lehren, einig als eine Gemeinde Gottes! Die Lehre, die Moses uus gegeben, ist unser Erbe, ist ein Erbe der Gemeinde Jakobs. Nicht einzelnen Auserwählten, nein uns allen ist es zur heiligen, unverbrüchlichen Pflicht gemacht, die Lehre, die wir empfangen, zu erhalten, zu üben, zu bethätigen, zu verherrlichen. Aber nicht in abgerissenen und auseinander geworfenen Gliedern kann eine lebenskräftige Entfaltung des Geistes zum Durchtzruch gelangen, nur da, wo sie sich regsam aneinander fügen, wo sie zu einem wohlgeordneten, fest zusammenhängenden Ganzen sich einen, da kann das Leben zu kräftigem Wachstum gedeihen, nur da eine segensvolle Thätigkeit einen ergiebigen Boden finden. So wie der Geist, wenn er auch noch so reich begabt ist, in das Gewebe des Staubes sich hüllen muß, um sich auf Erden wirksam und schöpferisch erweisen zu können, also bedarf der ihm verwandte Gedanke der irdischen Stützen und Wege, wenn er in Erscheinung und Geltung treten soll. Und eine solche Stütze, eine solche unentbehrliche Stütze für den Gedanken Israels, für die Erhaltung unserer Lehre ist die einige zusammengehörige Gemeinde Jakobs. Sie ist die Trägerin dieses gottgeheiligten Erbes und sie zerstören heißt so viel als unserer Religion die Heimat nehmen, und das Judentum, die ehrwürdige Mutter, die uns grobgezogen, in die Fremde hinausstoßen. Sich von der Gemeinde Jakobs lossagen, das Judentum als etwas Nebensächliches und Gleichgültiges behandeln, bedeutet mehr als Abfall, es bedeutet die Verhöhnung und Vernichtung des Judentunis. Beherzigen wir daher das Wort, das unser gött-