Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1887)
- Date
- 1887-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 5 ernstliche Schritte eingeleitet. — Herr Dr. Gaster wurde zum Chacham der Portugiesischen Gemeinde in London erwählt. — Die jüdische Ausstellung in London wurde am 2. April eröffnet. — In Manchester erscheint seit dem 1. März ein den jüdischen Interessen gewidmetes Blatt mit dem Titel „The Jewish Record." — Wie einige Blätter melden, ist der Führer der vier Jnfanteriekompagnien, welche die italienische Regierung nach Massanah entsandte, Major Olivetto ein Jude. — Im Hofe des Municipiums in Padua wurde am 20. Februar die Büste des Statistikers und Nationalökonomen Emilio Morpurgo enthüllt. — In Livorno wird in der Hauptsynagoge eine neue prächtige Orgel errichtet. — Herr (C. Lamm in Stockholm hat einen neuen Sprengstoff „Belit" erfunden. — In Luzern wurde am 3 März ein jüdischer Friedhof eingeweiht. — Die Judenkommission in St. Petersburg soll beschlossen haben auch jüdische Vertrauensmänner zu berufen, um ihre Ansicht über die Regelung des jüdischen Schulwesens in Rußland zu hören. — Die Verfügung, bei Proviantlieferungen für die Russische Armee, Juden auszuschließen, hat sich als praktisch undurchführbar erwiesen. — Sr. Majestät der König von Griechenland, der anläßlich der Großjährigkeitserklärung des Kronprinzen hohe Orden an geistliche Würdenträger verteilt hat, zeichnete auch den greisen Oberrabbiner von Smyrna, Abraham Patatto durch die Verleihung der Commandeurs-Jnsignien des Erlöser-Ordens aus. — In Eorfu starb am 24. Februar der Oberrabbiner Loses Levi, auch bekannt durch seine litterarischen Arbeiten. Er wurde auf Anordnung der Regierung mit den Ehren eines Erzbischofs begraben. — In Cairo wurde eine Bnai-Berith-Loge installiert, die den Namen „Maimonides" führt. — Das Oberhaupt der Samaritaner Iakob-Es-Schkllabi aus Sichem (Nablüs) ist jüngst in London angelangt, um für die wenigen durch Steuerpressungen verarmten Familien Hilfe von reichen Inden daselbst zu erreichen. Es ist das das erste Mal, daß diese merkwürdige Sekte, die seit dem Jahre 720 v. Ehr. besteht und den Juden im Altertume viel zu schaffen machte, sich durch einen Vertreter in der Not an die Juden wendet. — Von jetzt ab leisten die Juden in der Türkei den Eid bei der Bibel, nicht wie bisher bei dem „Hemd der Ewigkeit." — Am 14. Februar wurde der Kronprinz Victor Emanuel von Italien bei seiner Ankunft in Jerusalem auch von den dortigen Juden in feierlicher Weise empfangen. — Die neu eingeführte Begräbnisordnung in Tunis, die auf großen Widerstand bei Juden und Katholiken stieß, führte zu Ruhestörungen. Bei den Zusammenrottungen vor dem Rathause wurden zehn Juden verhaftet. Um weitere Störungen zu verhüten, mußte die Polizei aufgeboten werden, wodurch denn bei einer durch die städtische neue Begräbnisbehörde erfolgten Beerdigung einer jüdischen Frau Alles ruhig von Statten gieng. Herr Großrabbiner Zudoc-Kahn in Paris nahm Anlaß, den daselbst weilenden Residenten zu Tunis, Herrn Massicault, in Begleitung einer Abordnung des israelitischen Konsistoriums zu besuchen, welche ihre Vermittlung in Sachen des in Folge der neuen Begräbnisordnung in Tunis ausgebrochenen Streites anboten. — In Portland (Amerika) wird auf Kosten des Herrn I. Wolf eine Synagoge erbaut. — In New-Pork wirken, wie der „Medical Record" berichtet unter 2900 Aerzten 900 jüdische. — Der König von Zchoa, Melenik, der sich für einen Abkömmling des Königs Salomo hält, hat eine einzige Tochter, namens Mirjam, die sich mit dem Prinzen von Abessynien verloben soll, der sich auch der Abstammung von Salomo rühmt. In diesen Gegenden, sieht man, gilt der Semitismus noch etwas.