Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1887)
- Date
- 1887-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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' ■ ‘ , ■ .. — 116 - daß das Christentum nicht mit Jesus begonnen habe, sondern bereits in dem biblischen Profetismus wurzele. Nur ist das jüdische Profetentum mit dieser scheinbar neuen Religion kein Christentum geworden. Jesaias, den Renan vorne anstellt, ist nicht einmal der älteste und erste Profit, der gegen den formalen Gottesdienst eifert und das Wesenhafte der Religion betont, die Religion des Herzens und der Gesinnung; sogar Moses bleibt darin nicht zurück. Trotz nationaler Absonderung des Volks Israel betont auch Moses schon, gleich den späteren Profeten, den Universalismus der jüdischen Religion. Wenn hierin also die Unterscheidung des Christentums liegen soll, so finden wir gleiche Grundsätze von Anfang an auch im Judentum. Aber es ist jedenfalls davon Notiz zu nehmen, daß solche Ansichten von der Verwandtschaft des Juden- und Christentums auch von den christlichen Gelehrten ausgesprochen werden. Es verbreitet sich dadurch unter den Christen ebenfalls die Idee, daß das Urchristentum im Judentum wurzele und daß die späteren Differenzpunkte der neuen Religion auf Konzessionen gegen die heidnischen Neuchristen beruhen. In der Vertiefung, Erweiterung und Verbreitung dieser Ansichten ist die Aussicht darauf geboten, daß allmählich die Wahrheit überall erkannt werde, die Anfeindung aufhöre und Vereinigung und Verbrüderung sich immer mehr Bahn brechen werde. Dahin streben die Juden. — In der Kirche St. Philipp in Paris hielt der katholische Geistliche Pater Kremont eine fulminante Rede gegen den Antisemitismus, anknüpfend an Drumont's Werk „das verjudete Frankreich." — Die Regierung in Paris hat für den jüdischen Kultus des laufenden Jahres bewilligt: 158 900 Frank für Besoldung der Kultusbeamten, 22000 Fr. für das Rabbinerseminar und nebstdem eine Summe für Kultusgebäude. — Herr Baron u. Hirsch in Paris hat das Deficit der „Alliance Jsraelite" für 1886 mit 49969 Fr. gedeckt. — Am 26. März hielt der Aegyptolog Herr fll. Maspöro im Lokale der 8ovi6t6 ckos ätuäss juives“ in Paris einen Vortag über „Syrien nach den ägyptischen Monumenten vor der Einwanderung des hebräischen Volkes." — Herr Dr. M. Leven in Paris hat eine medizinische Schrift über die Nervosität veröffentlicht, in welcher der Verfasser in unserer irreligiösen Zeit das religiöse Gefühl, die Gottesidee als therapeutisches Mittel gegen Aufregung und nervöse Empfindlichkeit empfiehlt. Die Gottesidee, schreibt er, ist der einzige Zügel, der im Stande ist, die Leidenschaften, die soviel Schaden dem Körper zufügen, zu beruhigen; der Mensch bedarf dieses äußeren Zügels, um seine Gesundheit zu erhalten; er muß von der heiligen Idee durchdrungen sein, um mäßig und ruhig zu leben, um jene Ruhe zu finden, welche für das Gleichgewicht des Nervensystems nötig ist. Die Gottesidee ist für die menschliche Gesundheit unerläßlich; ohne sie wird das menschliche Leben durch Exzesse jeder Art verkürzt. — In der Sitzung der Spanischen Cortes am 11. Februar 1887 interpellierte der Deputierte Laselga die Regierung über das Gesetz betreffend die Einwanderung von Ausländern. Der Ministerpräsident Sagasta erwiederte ini Hinweise auf zwei Punkte der Verfassung, welche besagten: Ausländer können sich ohne Beschränkung im Spanischen Territorium etablieren, ihre Industrie ausüben u. s. w. Niemand darf im Spanischen Territorium wegen seiner religiösen Meinungen, noch wegen Ausübung seines Kultus belästigt werden, vorausgesetzt, daß er die christliche Moral in schuldiger Weise respektiert. — In England hat sich eine neue Sekte gebildet „Neues und jüngstes Haus Israel" welche an Unsterblichkeit der Seele und Fortdauer des Körpers glaubt. — Ein Herr Weiter in London machte jüngst den Vorschlag, den Grundstein zum dritten Tempel in Jerusalem legen zu lassen und hat hiezu