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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 welcher die streng wissenschaftliche Forschung, das Gesetz, die Norm enthielte, und einen andern, die Hagada, in der sich die erzählende Form, die Sage, die Legende, die Homilie finde. Der erstere Teil sei das Produkt des Verstandes, streng geistigen Denkens und scharfer Prüfung, der andere das Produkt der Unterhaltung, der augenblicklichen Laune, oft des Humors und wende sich mehr an das Gemüt. Seiner Tendenz nach sei der Talmud ein sittlich-religiöses Werk. Die Quelle desselben sei die Bibel, und da der Talmud, um ein Bild zu gebrauchen, nichts anderes thue, als die Goldbarren der Bibel in gangbare Scheidemünze umzusetzen, könne er nur ein solches sein. Der Redner' kommt bei dieser Gelegenheit auf den Vorwurf zurück, welcher dem Talmud gemacht wird, daß er nämlich lehre, Unrecht im Handelsverkehre gegen Nichtjuden sei erlaubt, und weist durch Zitate aus der Halacha, also dem gesetzlichen Teil, nach, daß jede Uebervorteilung eines Nebenmenschen, auch wenn er Heide sei, streng untersagt und daß es als eine Entwürdigung des Namens Gottes bezeichnet wird, den Andersgläubigen, selbst wenn er ein Untergebener ist, unwürdig zu behandeln. Dagegen giebt er zu, daß sich in der Hagada, dem erzählenden Teile manch' bitteres Wort, manch' scharfe Sentenz gegen die heidnischen Bewohner des Landes vorfinde. Erklärlich sei dies teils aus der Verfolgung, welche die Juden von diesen Völkern zu erleiden gehabt haben, teils aus dem Abscheu, den der lasterhafte und abscheuliche Kultus jener Völker (Orgien des Baal und Kinderopfer des Moloch- Kultus) einem so sittenstrengen Volke, wie den Juden, habe einflößen müssen. Immer aber richten sich diese Auslassungen nur gegen die Anhänger des Götzendienstes, und es sei Frivolität, solche auf die Bekenner des Christentums zu beziehen. Der Talmud stelle ausdrücklich selbst die Bekenner der noachidischen Gesetze, die beispielsweise kein Menschenblut vergießen, auf eine Linie mit den Bekenner» des Judentums. (Es ist Thatsache, daß schon zur Zeit des Tempels am Laubhüttenfeste für das Wohlergehen derselben gebetet wurde.) Man sage zwar, Toleranz sei die Frucht der Zivilisation unserer neuen Zeit, aber ein berühmter Talmudlehrer habe schon den Ausspruch gethan: Die Weisen (Frommen) aller Nationen haben Teil an der ewigen Seligkeit. Zum Schluß wirft der Vortragende die Frage auf, welche Verbindlichkeit der Talmud für das heutige Judentum habe, und beantwortet dieselbe dahin, daß der Talmud als ein bedeutendes Kulturwerk der Juden von großem wissenschaftlichen und historischen Werte sei für das Studium der jüdischen Gesetze, unentbehrlich als Sammelwerk jüdischer Gebräuche. Dazu sei er eine Fundgrube moralischer Sprüche und Sentenzen. Immer aber bleibe der Talmud nur ein Menschenwerk, heilig ist dem Juden nur die Bibel als das geoffenbarte Wort Gottes, und auf diese allein müsse die Auslegung des Gesetzes inimer wieder zurückgeführt werden. Bei dieser Gelegenheit, verwahrt sich auch Redner dagegen, daß man die heutigen Juden für Alles das verantwortlich machen wolle, was im Talmud ausgezeichnet sei. Man müsse den Talmud immer als das betrachten, ivas er wirklich ist, nämlich als ein Sammelwerk der verschiedensten Lehrmeinungeil, wie sie in einem Zeitrauine von 800 Jahren vorgetragen seien. Es komme ihm das gerade so vor, als wenn man irgend Jemanden heute dafür verantwortlich machen wollte für Alles das, was in den letzten 800 Jahren in Deutschland irgendwo geschrieben sei. Redner endigte seinen Vortrag mit einem Zitate aus dem Talmud: „Nur derjenige ist würdig, ein Nachkomme Abrahams zu sein, der Menschenliebe übt", und knüpfte daran eine Aufforderung zu religiöser Friedfertigkeit und Menschliebe. Wir müssen es uns des Raumes wegen versagen, aus dem reichen Zitatenschatze,

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