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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 107

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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- - .'' *»■* T?V *i- / "i ▼'* — 107 — Aus einem Morlrage des Kerrn Waööiner Dr. Jautus in Aachen über den Halmud gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur am 23. Februar in Bochum. In dem jüdischen Staate existierte ein durch Esrah und Nehemia aus 71 Männern bestehendes Tribunal (erneuert durch Hyrkan, 108—133 v. Chr.), die große Rats-Versammlung, deren Aufgabe neben der höchsten richterlichen Funktion darin bestand, das Studium und die Auslegung des Gesetzes zu betreiben. Als aber mit der Zerstörung des zweiten Tempels die staatliche Selbständigkeit den Juden aufhörte, kam ein bedeutender jüdischer Gelehrter (Rabbi Jochanan ben Sakkai, 70 n. Chr.) zu der Erkenntnis, daß das Judentum selbst nur so lange erhalten bleiben werde, als ihm die Kenntnis des göttlichen Gesetzes erhalten bleibe. Er erbat und erhielt deshalb vom Kaiser Vespasian die Erlaubnis, in Palästina Schulen anlegen zu dürfen. In diesen Schulen versammelten sich die Gelehrten und zogen eine größere Schaar Jünger heran. Diese, Lehrer wie Schüler, gehören den verschiedensten Berufsarten an, da es eine» eigentlichen Gelehrtenstand nicht gab, und namentlich waren es die Monate Februar und September, in denen der Ackerbau ruhte, wo man znsammenkam und über religiöse Fragen Vorträge hielt oder anhörte, über das Gehörte diskutierte und disputierte, Einreden und Gegenreden erhob und widerlegte. Gegenstand der Beratung war das in der Bibel niedergeschriebene Gesetz, Zweck derselben die Auslegung, Erweiterung und Begrenzung desselben. Gesetze, die in der Bibel nur andeutungsweise ausgesprochen waren, wie beispielsweise das Sabbath- und das Ehegesetz, wurden dabei oft in die minutiösesten Einzelheiten ausgesponnen und zu ganzen Traktaten ausgedehnt. Neben diesen Schulen in Palästina entwickelten sich solche sehr bald zu hoher Blüte auch in Babylonien, und in beiden Ländern hatte sich der Lehrstoff bald derartig angehäuft, daß man dazu überging, denselben zu sammeln, zu ordnen und zum ersten Male auch niederzuschreiben. Mit dieser Arbeit begann man im dritten Jahrhundert, dieselbe währte bis ins sechste Jahrhundert, und das Werk, das daraus entstand, ist der Talmud. Derselbe bildet indeß keinen Religionskodex, sondern er begnügt sich damit, eine protokollarische Darstellung der verhandelten Theuiata mit den dagegen vorgebrachten Gegenreden, den aufgeworfenen Fragen und deren Beantwortung zu geben und so ein getreues Bild der Verhandlungen in den Lehrhüusern zu überliefern. Er übernimmt daher nicht die Verantwortung für die Lehrsätze, sondern überläßt solche den Autoren. Hierdurch, wie der Vortragende weiter ausführte, und in Folge des Umstandes, daß der Talmud teils in alter, teils in neuer hebräischer Sprache, teils aber wieder in syrischer, persischer und griechischer Sprache geschrieben, sei das Studium des Talmud überaus beschwerlich und schrecke namentlich Nichtjuden davon ab. Thatsache ist, daß Rohling z. B. nie den Talmud gelesen, er benutzte das Eisenmenger'sche Buch: „Das entdeckte Judentum, 1700." (Eisenmenger, Professor der orientalischen Sprachen zu Heidelberg, war ein fanatischer Judenfeind; Zweck seines Buches war, zu neuen Judenverfolgungen aufzureizen, und zu diesem Zwecke stellte er die entsetzlichsten Unwahrheiten als unerschütterliche Thatsachen hin und frischte all die Märchen wieder auf, die je Einfalt oder Fanatismus erfunden.) Nach seiner Tendenz scheide sich der Talmud in zwei streng gesonderte Teile, den ersten, die Halacha,

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