Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1887)
- Date
- 1887-05-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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*; ' -7- *y 4: \ %WW — 106 — religiös erfüllt sind, je werden begeistern können. Den Anlaß zu den neuesten Auslassungen des Göttinger Professors gab die Schrift „Zwei Göttinger Machzorhandschriften beschrieben von Ludwig Techen," der, obgleich ihm die elementarsten Kenntnisse in der Marchzorkunde trotz seiner sonstigen tüchtigen philologischen Schulung abgehen, es sich herausgenommen hatte, über Leopold Zunz und sein Werk „die synagogale Poesie des Mittelalters" in einer Weise sich zu äußern, die die Kritik mit Recht veranlaßt, Herrn Techen, diesen kenntnisarmen Neuling auf diesem Gebiete in die Grenzen zurückzuweisen, über die er sich nicht ungestraft hätte hinauswagen sollen. Durch die vernichtende Kritik die über den Schüler ergangen, fühlte sich der Meister Paul de Lagarde getroffen und suchte nach Schwächen an Leopold Zunz's Werken, besonders in den von ihm angefertigten Uebersetzungen, als läge Leopold Zunz's Bedeutung und Schwerpunkt darin und nicht vielmehr in der von ihm in seinen Werken bekundeten Beherrschung des ganzen Stoffes der jüdischen Litteratur, in der er neue Wege gehahnt, die früher Keiner betreten. Herr Paul de Lagarde geht in seinem Uebereifer so weit, weil Zuux von „auf den Rücken gezogenen Furchen" spricht, auszurufen. „Wozu wohl diese Furchen? Gramgefurchte Gesichter kennt man wohl, aber gefurchte Rücken? Es muß ein Palästinismus sein?" Allerdings ist das ein Palästinismus! Aber daß ein Professor der semitischen Sprache Psalm 129, 3 nicht gegenwärtig hat, wird ihm wohl nachträglich mit Gram die Stirne durchfurchen. Es ist das ein neuer Beweis, daß die Herrn Orientalisten immer noch mit dem alten Testamente das sie als philologisch-historisch geschulte Männer behandeln, nicht genügend vertraut sind, geschweige denn mit Machzorim. Wenn Lagarde schreibt, „ich wende ein Leben von Arbeiten, Opfern, und Entsagung an die Erforschung des Judentums" — „aber gerade darum habe ich das Recht und mit dem Rechte die Pflicht auch über das Judentum und die Juden und die Synagoge mindestens ebenso freimütig mich zu äußern, wie ich das über das Deutschtum und die Deutschen, wie ich es über die christlichen Kirchen thue," so wird jeder in diesen Punkten mit ihm übereinstimmen. Herr Paul de Lagarde muß aber die Epfindlichkeit und Gereiztheit ablegen und einen objektiven Standpunkt einzunehmen trachten, den jeder Billigdenkende von ihm verlangen muß. Darin kann Paul de Lagarde viel von Friedrich Rückert, den er in derselben Schrift, in der er gegen Zunz loszieht, unter dem Titel „Erinnerungen an Friedrich Rückert" behandelt, lernen, von dem er selbst schreibt: „Ihm (Rückert) gehörte Alles in das auf Freiheit und Gleichheit gegründete Reich der guten Natur Gottes, in welcher das Gänseblümchen so viel Recht hat wie die Rose.,, Wie stechen doch gegen solch' liebevolle edle humane Gesinnungen die Sätze Lagarde's in seiner Schrift gegen Zunz ab, die wir hier nicht anführen möchten und die genugsam hervorgehoben wurden in den drei Gegenschriften, welche die am meisten in Lagarde's Schrift angegriffenen Herrn erscheinen ließen, und die wir hier nur verzeichnet haben möchten, um für einen zukünftigen Kulturhistoriker das ganze hierher gehörige Material zu Recht gelegt zu haben: Professor Paul de Lagarde nach seiner Natur gezeichnet von Dr. A. Berliner. (Julius Benzian. Berlin 1887.) Paul de Lagarde's jüdische Gelehrsamkeit. Eine Erwiderung von Prof. vr. David Kaufmann. (Leipzig, Otto Schulze. 1887.) Einer der nicht Liturgiker sein will. Antwort an Herrn Professor de Lagarde von vr. Bernhard Ziemlich, Rabbiner der isr. Gemeinde zn Nürnberg. (Leipzig. Verlag von Robert Friese. 1887.)