Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1887)
- Date
- 1887-05-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Wertheimers darauf gerichtet, den Geist der Zwietracht durch einmütiges Vorgehen in den Zielen der Abwehr nach außen und der Kultur nach innen zu bannen.- Dieses Bestreben war bisher von dem besten Erfolge begleitet und hat sich namentlich in neuester Zeit bei der schwierigen, aber glücklich gelösten Anfgabe bewährt, 16,000 russische Juden, welche die Verfolgung auf österreichischen Boden getrieben hatte, dadurch aus ihrer unglücklichen Lage zu ziehen, daß einem großen Teile derselben zur Auswanderung, andern zur Repatriierung unter günstigen Bedingungen verholfen, aber auch durch Uebernahme und Unterbringung von Kindern, den letzteren eine lichtere Zukunft eröffnet wurde. Wie das Wirken Wertheimers sich nie auf einen engen Kreis beschränkte, die Wohlthaten seiner Schöpfungen vielmehr weit über die Grenzen seiner Vaterstadt, seines Heimatlandes hinaus Tausenden zu Gute kamen, so erwies sich auch bei mannigfachen Gelegenheiten die Anerkennung und Verehrung, deren er sich erfreute, als eine allgemeine, so insbesondere an seinem 70sten Geburtstage und bei der am 11. Juni 1879 begangnen Feier seiner goldnen Hochzeit mit Frau Henriette geb. Ulmann aus Augsburg, die mit seltner Herzenswärme ihm in allen seinen humanen Bestrebungen fördernd zur Seite gestanden, und die ihm in zwar kinderloser, aber höchst glücklicher Ehe alle Lasten und Mühen eines oft bewegten Lebens treulich tragen half. Bei diesen beiden Anlässen liefen nicht nur aus allen Ländern Europas Beglückwunschungen, selbst vom deutschen Kaiser, dessen goldne Hochzeit bekanntlich am selben Tage festlich begangen wurde, ein, sondern auch aus den verschiedenen Städten Amerikas. Daß aber nicht nur das Herz des so Gefeierten, sondern auch sein Geist und seine Fantasie bis ins Greisenalter sich jung erhalten haben, dafür lieferten, ein bei Gelegenheit seiner goldnen Hochzeit erschienenes, seiner trefflichen Gattin gewidmetes Drama: „Eudocia“ sowie die weiter unten angeführten Publikationen aus der jüngsten Zeit, glänzende Beweise. Außer den schon früher erwähnten Schriften sind erschienen: Die Stellung der Juden in Oesterreich. Wien 1853. Die Regelung der staatsbürgerlichen Stellung der Juden in Oesterreich. Wien 1859. Jahrbuch für Israeliten. 11 Bände. Wien 1854 — 1864. Die Emanzipation unserer Glaubensgenossen. Wien 1882. Jüdische Lehre und jüdisches Leben. Wien 1883. Außerdem gab Herr v. Wertheimer seit 1878 den täglich erschienenen „Wiener Geschäftsbericht" heraus, und lieferte er zahlreiche politische, nationalökonomische, kulturhistorische und poetische Beiträge für verschiedene Journale und Sammelwerke. Unter großer Beteiligung wurde der Verblichene am 18. März zur letzten Ruhe geleitet. Die Herren Prediger Dr. Adolf Jellinek, Rabb. Dr. M. Güdemann und von Schembera, der Präsident der „Concordia," hielten an seinem Grabe ergreifende Reden und in deni Tempel der inneren Stadt in Wien wurde eine Totenfeier am 24. März abgehalten. In vielen Gemeinden Oesterreichs-Ungarns widmeten die Herren Rabbiuen und Vorsteher dem edlen Heimgegangenen Worte ehrenden Nachrufes. Wir schließen diese Skizze mit Worten aus einer jüngst von Wertheimer veröffentlichten Schrift „Gesinnungstüchtigkeit der Juden": Ich bin mit meinem Thema zu Ende, wohl bald auch mit mir selbst, zwischen beiden ist nur ein loser Zusammenhang. Es ist mir zur Lebensgewohnheit geworden, mit Wort und That nicht zu zögern und überall eher verfrüht als verspätet zu