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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 103

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 arbeitsscheu; und wirklich wurden Tausende fleißiger Hände, die früher gewaltsam ehrlicher Arbeit entzogen worden waren, sich jetzt aber den anstrengendsten Handwerken widmeten, dem Staate gewonnen. Von dieser Emancipation nach innen richtete sich Wertheimers Streben auf die Emanzipation seiner Glaubensgenossen nach außen. Nachdem er gründliche historische Forschungen über die Verhältnisse der Juden in Oesterreich angestellt hatte, erschien im Jahre 1842 in Leipzig sein zweibändiges Werk: „Die Juden in Oesterreich vom Standpunkte der Geschichte, des Rechtes und des Staatsvorteiles," das noch heute als Quellenwerk benützt wird. Da nach den damaligen Verhältnissen ein solches Werk in Oesterreich nicht erscheinen konnte, es aber auch einem Oesterreicher verboten war, Censurwidriges im Auslande drucken zu lassen, so mußte der Name des Verfassers der Behörde verborgen bleiben; der Erfolg, den das Buch hatte, war jedoch ein außerordentlicher, der Eindruck desselben ein mächtiger und nachhaltiger. Im Jahre 1843 gründete Wertheimer die israelitische Kinderbewahranstalt in der Leopvldanstalt in Wien, die seit 1858 ein eigenes, wohleingerichtetes Haus besitzt und seit ihrem Bestände Tausenden von armen Kindern, Schutz vor physischen und moralischen Gefahren gewährt, aber ihnen auch eine ihrem zarten Alter angemessene körperliche Pflege und geistige Nahrung geboten hat. Seit dem Jahre 1868 ist mit dieser Anstalt ein Lehrkurs für Kindergärterinnen verbunden, der schon einige hundert Mädchen und Frauen ohne Unterschied der Konfession einem bescheidenen, aber ehrenhaften Berufe zugeführt hat. Vom Jahre 1835 bis Ende 1867 war Wertheimer ununterbrochen Vertreter der Wiener israelitischen Gemeinde, in den letzten Jahren zugleich Präsident des Vorstandes. Was er während dieser mehr als dreißigjährigen Wirksamkeit für die angesehenste Jsraelitengemeinde, zugleich aber für die gesammte Judenheit Oesterreichs geleistet; wie er unausgesetzt und mit Erfolg um die Hebung der politischen und sozialen Stellung seiner Glaubensgenossen, um die Reform in Tenlpel und Schule bemüht gewesen; wie er zur Erreichung dieser Zwecke auch immer die geeignetsten Persönlichkeiten zu wählen verstanden, und Allen durch Hunianität, Bescheidenheit und durch sein biederes Wesen vorangeleuchtet hat; — dies weiter auszuführen, inangelt hier der Raum. Die verdiente Würdigung hat seine aufopfernde, uneigenützige Thätigkeit bei seinem Rücktritte dadurch gefunden, daß ihm der Kaiser den Orden der eisernen Krone dritter Klasse, mit welchem die Erhebung in den österreichischen Ritterstand verbunden ist, und die Metropole des Reiches das Ehrenbürgerrecht verliehen hat. Wertheimer beteiligte sich mit Eifer an den Verhandlungen der iraelitischen Synoden zu Leipzig und Augsburg, welch letztere vom 11. bis zum 17. Juli 1871 tagte und in der der Redakteur dieser Blätter die Freude hatte, ihm und Leopold Kompert näher zu treten. Von den Schöpfungen, die Wertheiniers Ruhm laut verkünden, heben wir auch den 1860 gegründeten „Verein zur Versorgung hilfsbediirftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde" und die „Israelitische Allianz" hervor. Der erste Verein, unter dem Präsidium des Gründers stehend, hat ein Mädchenwaisenhaus ins Leben gerufen, sorgt aber auch außerhalb desselben für die Pflege, Erziehung und Erwerbsbefähigung einer stattlichen Anzahl verwaister, insbesondere vaterloser Kinder. Seit der Gründung der „Israelitischen Allianz" (1872), eines Vereins, der sich die intellektuelle, moralische und materielle Hebung der Glaubensgenossen in allen Ländern zur Aufgabe gemacht hat, war das Bestreben

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