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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 102

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 Italien, Frankreich und England unternommenen Reisen machte sich Wertheimer während eines längern Aufenthaltes in London mit dem Wesen der seit 1824 daselbst ins Leben getretene Kleinkinderschule (inlants-sobools) bekannt übersetzte nach seiner Rückkehr eine von dem Vorsteher der Londoner Zentral- Kleinkinderschule, S. Wilderspie herausgegebene Schrift: „lieber frühzeitige Erziehung und englische Kleinkinderschule" und versah dieselbe mit Zusätzen, in welchen jede Zeile den denkenden Pädagogen und tieffühlenden Menschenfreund verrät. (Die 1. Aufllage erschien 1828, die 2. 1828 bei C. Gerold in Wien.) Den ganzen Ertrag des auf eigene Kosten herausgegebenen Werkes, für dessen Wert schon der Umstand spricht, daß die preußische Regierung die Anschaffung desselben auf Rechnung der Schulkassen anorduete, widmete Wertheimer der ersten in Wien zu errichtenden Kinderbewahranstalt. Gleichzeitig richtete er an die kaiserliche Regierung ein Promemoria über die Notwendigkeit derartiger Anstalten. Die Regierung ließ die Eingabe durch den Druck vervielfältigen und bei sämmtlichen Pfarrern und Gemeindevorstehern in Wien behufs Erstattung von Gutachten zirkulieren. Obzwar nun von manchen Seiten gegen die Errichtung solcher Anstalten für die arme Bevölkerung agitiert wurde, so fand die Eingabe doch schließlich eine günstige Erledigung, und von einem hnmanen katholischen Priester, dem Pfarrer Johann Lindner im Bezirke Landstraße, der in seinem Berufe die Bedürfnisse der Arbeiterbevölkerung genau kennen gelernt hatte, thatkräftig unterstützt, hatte Wertheimer die Befriedigung, im Jahre 1830 die erste Kinderbewahranstalt in Wien ins Leben treten zu sehen. Daß er sich bei der Anregung und Gründung nur von rein Humanitären und nicht von konfessionellen Rücksichten leiten ließ, geht daraus hervor, daß damals in dem Bezirke Landstraße gar keine Juden wohnten. Das Aufbltihen dieser Anstalt und anderer in demselben Jahre entstandener, gleichartiger Institute veranlaßte die Gründung eines Zentral-Vereins fiir Kinderbewahranstalten, an dessen Spitze sich die Kaiserin Caroline Auguste als Protektorin stellte und der insbesondere unter den katholischen Geistlichen eifrige Förderer fand. Wertheimer gehörte dem Verein als ständiger Beirat an, und die geistlichen Mitglieder dieses Vereins waren es auch, welche späterhin seine Auszeichnung durch Verleihung des Franz- Jofefs-Ordens beantragten und erwirkten. Ebenso hatte hier Wertheimer die Genugthuung, daß ihm bei der im Jahre 1880 begangenen Jubiläumsfeier der ersten Kinderbewahranstalt in Wien von Seite des katholischen Klerus ehrende Anerkennung seiner Verdienste zu Teil wurde. Im Jahre 1835 trat Wertheimer noch einmal mit seinem Werke: „Therese, ein Handbuch für Mütter und Kinderwärterinnen", als pädagogischer Schriftsteller auf. Im Jahre 1838 veröffentlichte er „Dramatische Beiträge," teils Uebersetzungen aus dem Englischen, teils Originalarbeiten; ein Schauspiel „der Buckelige," wurde seinerzeit ani k. k. Hofburgtheater häufig aufgeführt. Der allgemeine philantropische Sinn Wertheimers bewährte sich noch in der thatkräftigen Mitwirkung bei der Gründung eines allgemeinen Wiener Hilfsvereins sowie des Schutzvereins für entlassene Sträflinge und für verwahrloste Kinder. Seine spezielle Wirksamkeit für seine Glaubensgenossen begann Wertheimer (1840) mit der Gründung eines „Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten." Dieser Verein sollte nicht blos Kindern armer jüdischer Eltern die Möglichkeit bieten, in Wien ein Handwerk zu erlernen; es sollte durch denselben zugleich das bestandene Vorurteil gebrochen werden, als seien die Juden

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