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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-05-01 · Heft 5 (1.5.1887) · p. Seite 101

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 5 (1.5.1887)
Date
1887-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 1 Mühen und Sorgen, wenn der Glaube an Gott und die Hoffnung auf ein zukünftiges Leben dem Menschen nicht den sichern Halt gewährten? Ein unentwirrbarer Knäuel von unberechenbaren Zufällen und ein Chaos von unendlichen sich gegenseitig bekämpfenden Kräften. Und der Mensch von Kindesbeinen an auf diesen schauerlichen Kampfplatz gestellt, abwechselnd gegen die blindwirkende Natur ankämpfend oder derselben wehrlos preisgegeben, jedoch in beiden Fällen am Ende ihr erliegend — der Mensch wäre bei all seinen Fähigkeiten das unglücklichste Geschöpf auf Erden. — (Schluß folgt.) Münster, im April. F. Josef Witter von Werlheimer. Mittwoch den 16. März um fünf Uhr nachmittags starb in Wien nach langem Leiden der Präsident und Gründer der „Oesterreichischen Israelitischen Allianz", Herr Josef Ritter von Wertheimer, eine durch sein philantropisches und litterarisches Wirken in weiten Kreisen bekannte und hochgeschätzte Persönlichkeit, die immer und überall, wo es Not that, ratend, helfend und wirkend eintrat ohne Rücksicht ans Glaubensbekenntnis und Nationalität. Folgender Umriß seines Lebens ist als Antobiographie anzusehen, die uns ein geschätzter Mitarbeiter der Monatsblätter zur Verfügung stellte, dem der Heimgegangene mit einem Briefe datiert Wien, am 9. Mai 1883, Notizen zu litterarischem Zwecke auf dessen Aufforderung, zukommen ließ, und die wir mit einigen Aenderungen und Zuthaten hier folgen lassen: Josef Ritter von Wertheimer, wurde am 15. März 1800 in Wien geboren, er entstammt einer alten, angesehenen israelitischen Familie. Sein Vater war ein hochgebildeter und kunstsinniger Mann, der mit den bedeutendsten Männern der damaligen Zeit, so unter Andern mit Josef von Sonnenfels, verkehrte, und dessen Charakter am besten durch das ihm später gewidmete Epitaph gekennzeichnet wird, in welchem es heißt: „. ... der vor Menschen nie, vor Gott allein sich beugte." Unter der Leitung eines solchen Vaters und einer zartfühlenden Mutter, welche der Erziehung ihrer beiden Kinder — Josef hatte nur noch eine Schwester — die zärtlichste Sorgfalt widmete, und beim Unterrichte tüchtiger Lehrer entwickelte sich die treffliche Anlage des Knaben in erfreulicher Weise. Für die kaufmännische Laufbahn bestimmt, trat Wertheimer in seinem fünfzehnten Jahre in das Comptoir des Freiherrn von Stifft, eines Mannes, der später, in den vierziger Jahren, als niederösterreichischer Landstand mit Schmerling, Doblhoff nnd andern gleichgesinnten Männern für den konstitutionellen Fortschritt wirkte und im Jahre 1848 durch kurze Zeit das Amt eines Staatssekretärs im Finanzministerium bekleidete. Trotz seines jugendlichen Alters erwarb sich Wertheimer bald das vollste Vertrauen seines Chefs und verharrte fünf Jahre lang in seiner Stellung. Hierauf kam er in das Comptoir seines Vaters, dessen öffentlicherGesellschafter er im Jahre 1821 wurde. In seinem praktischen Berufe von strenger Pünktlichkeit und Pflichttreue, fand er dennoch Muße, an seiner Weiterbildung uilausgesetzt zu arbeiten und studierte besonders eifrig pädagogische Schriften. Auf seinen in den Jahren 1824, 1826 und 1828 nach Deutschland,

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