Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1887)
- Date
- 1887-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bureau des Deusch-Jsraelitischen-Gemeinde-Bundes (Berlin, Sigismundstraße 5) zum Zwecke des Abdruckes für das nächste Jahrbuch zur Verfügung stellen. — Herr Dr. I. Goldschmdt, bisher in Weilbnrg, wurde als Landesrabbiner nach Virkenfeld berufen und Herr Dr. Biram, bisher in Lauenburg, als Rabbiner nach Hirschberg. — Am 20. Januar feierte die „Chebra Kadischa" („Heilige Bruderschaft") in Milosiaw ihr 100jähriges Bestehen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Bloch aus Zarotschin. — In Hürden feierte der israelitische Frauenverein das Fest seines fünfzigjährigen Bestehens. — Am 4. Februar wurde in Gemmingen eine Synagoge eingeweiht. — Aus Btrelno schreibt man uns: Herr Lehrer Julius Fabian feierte am 30. Januar das Fest seiner fünfzigjährigen Amtsthätigkeit. Am Morgen wurde ihm ein Ständchen gebracht. Um 10 Uhr fanden sich die Spitzen der Stadt, Magistrat, Stadtverordnete, wie die Repräsentanten unserer Synagogengemeinde, die hiesigen und von auswärts angelangten Lehrer im Schullokal ein und begleiteten den Jubilar in den Tempel, der sehr schön dekoriert und erleuchtet war. Nachdem die Schuljugend einen Choral gesungen, bestieg Herr Rabbiner Stern die Kanzel und legte seiner Predigt Sprüche Sal. K. 27, 18. zu Grunde. Dieselbe fand ungeteilten Beifall und wurde deren Drucklegung verlangt. Hierauf trugen die anwefenden Lehrer einen Choral vor. Abends wurde ein Dino gegeben, an dem sich sechzig Personen beteiligten. Der Herr Landrat übergab dem Jubilar den ihm von Sr. Majestät dem Kaiser verliehenen Hausorden der Hohenzollern. Das schöne Zusammensein so illustrer Gäste verschiedener Konfessionen gab Zeugnis davon, daß die giftige Saat des Antisemitismus hier keine Wurzel gefaßt hat. — Am 23. Januar wurde in Berlin der Stabsarzt a. D. Dr. S. Löwenher; zur letzten Ruhe geleitet. — Am 30. Januar starb in Berlin Herr Rabbiner Dr. A. Zammter, geboren am 1. Januar 180? zu Werna am Har;. Von 1837 bis 1854 war der Verstorbene Rabbiner zu Liegnih, seit 1869 lebte er in Berlin. Er hat viele Beiträge zur Geschichte der Stadt Liegnitz veröffentlicht und den talmudischen Tractat „Lada mezia* mit deutscher Uebersetzung herausgegeben. „Die deutsche Uebersetzung der Mischnah" hat er nicht vollendet. Sein Roman „der Rabbi von Liegnitz", den er vor zwei Jahren herausgegeben, wird sein Andenken auch in den Kreisen wach erhalten, in welchen strengwissenschaftliche Arbeiten weniger gewürdigt werden. — Herr Dr. Wolffberg, Privatdozent in Bonn, ist znm Kreis-Physikus in Tilsit ernannt worden. — Herr Dr. Oppenheim in Berlin, der Verfasser des Werkes „die Wirkung des Schreckens auf das Nerven-System" ist zum Dozenten an der dortigen Universität ernannt worden. — Herr Docent Dr. David Cassel in Berlin beging am 16. Januar seinen siebzigsten Geburtstag. Am 17. Januar hielt derselbe in Berlin einen Vortrag über Dr. Leopold Zun;. — Eine für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums begeisterte hochachtbare Dame in Berlin» die an der Gründung derselben thätigen Anteil nahni, berichtet uns über die von der Stipendienkommission dieser Anstalt ins Leben gerufenen Montagvortrüge und zwar über zwei derselben gehalten von den Herren Professoren Sleinthal und Lazarus. Ersterer behandelte „die Klagelieder Jeremias" und erklärte in klarer Weise die Verschiedenheit des Ausdruckes, den große und tiefe Schmerzen je nach Beruf, Lebensstellung und Sitte der Betroffenen gefunden. Letzterer sprach über „Rührung". Er begann mit der wissenschaftlichen Deduktion des Begriffes. Dann zeigte er in mannigfachen Beispielen die Vorgänge, die diese weiche Seite im menschlichen Fühlen anschlägt. Sie klingt schon im Äol Nidre-Gebet an beim Anfang des Versöhnungsfestes. Er zeigte sie im 19. Psalm, bei Jeremias, als er erfolglos sein