Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1887)
- Date
- 1887-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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89 Volk zum Frieden ermahnte. Dann kam er zu Odissee, zum Schlüsse behandelte er die Goethe'sche Iphigenie. Er streifte noch Anderes so spannend, fesselnd, ebenso vollendet im Inhalt wie in Form, daß ich kaum glaube, daß irgend ein bestehendes anderes Seminar ein ähnliches Vorbild knapper geistiger Schärfe wie wir sie an Steinthal, und hinreißender Eloquenz, wie wir sie an Lazarus finden, bieten kann. — Am 20. Februar wurde zu Langenfelde bei Hamburg durch Herrn Oberrabbiner Stern ein Friedhof eingeweiht. Der Herr Oberrabbiner geriet mit seiner Gemeinde wegen Anlegung eines Begräbnisplatzes in Zwiespalt und darum dieser Friedhof außerhalb Hamburgs. — Am 27. Januar fand in Breslau die Gedächtnisfeier für den verewigten Stifter Kommerzienrat Jonas Iränkel statt. Der Vorsitzende des Lehrercollegiums Herr Prof. Ireudenthal hielt die Gedächtnisrede über „die Grenzen wissenschaftlicher Kenntnisse". Die im vorigen Jahre gestellte Preisaufgabe über Kalenderberechnung wurde nochmals gestellt, da dieselbe keine Lösung gefunden. Die Herren Dr. Guttman» und Dr. Winter erhielten durch den Herrn Seminarrabbiner Dr. Levy die Rabbinatsdiplome, worauf Herr Dr. Guttmann Worte des Abschieds an Lehrer und Studiengenossen richtete. Das Seminar zählte im abgelaufenen Jahre 41 Hörer. Als wissenschaftliche Abhandlnng geht dem Jahresberichte eine Arbeit von Dr. Mofin „Reime und Gedichte des Abraham Zbn Esra" (II. Serie) voran, über die uns Herr Rabb. Dr. A. I. ßlnger aus Iglau schreibt: Diese ersteFortsetzung des vorzweiJahren erschienenen ersten Heftes (vgl. Neuzeit 1885 Nr. 9) reiht sich würdig der ersten Publikation an und übertrifft dieselbe nicht blos durch die Mannigfaltigkeit, sondern auch durch den inner» Wert des dargebotenen Stoffes. „Sehr wertvoll", sagt der Verfasser im Vorworte, „ist auch in diesem Hefte ein größeres Stück, die gereimte Einleitung zu dem unvollständig erhaltenen Pentateuch-Kommentar. Diese Einleitung.... enthält einen für das zwölfte Jahrhundert gewiß merkwürdigen Beitrag zur Geschichte der Schriftauslegung und zur Hermeneutik, indem sie die Leistungen und die Methode der vorangehenden Hauptvertreter der Exegese in scharfen und lebensfrohen Umrissen zeichnet und zugleich beurteilt." Mit der Sicherheit eines das einschlägige Litteraturgebiet vollkommen beherrschenden Meisters bietet uns der Verfasser auch im vorliegenden Hefte die Reime und Gedichte Jbn Esra's in korrekter Form und mit einer zur Seite stehenden deutschen Uebersetzung, welche die Reime des Originals in voller Zahl und an derselben Stelle festhält, und die man ohne Bedenken an die Seite der gelungensten Uebersetzungen eines Sachs und Zunz stellen darf. Als ein wahres Meisterstück deutscher Uebertragungskunst gilt die Uebersetzung des aus sechsundsechzig vierhalbzeiligen Strophen bestehenden, an einigen Stellen etwas dunkeln, aber nichtsdestoweniger anmutenden und fesselnden Gedichtes: „nedod hdsir oni“, wo der Verfasser eine seltene Gewandtheit in der Versifikation entfaltet und den poetischen Wert des Originals zum vollen Durchbruche kommen läßt. Befremdend war uns in Zeile 232 des erwähnten Gedichtes die Vokalisirung des Wortes: „nekijim“, die gegen das Metrum wie gegen den Reim verstößt. Wir lesen darum: „nikkim“ (als Partie. Niph. des Stammes: „nakah“, nach der Analogie: „nizzim" von „nazah“.) In dem Gedichte No. 59 Zeile 1 liest der Verfasser mit vollem Rechte: „natu" statt „iwwu“, da letztere Form in der dritten Verszeile vorkommt, was sicherlich nicht geschehen wäre, wenn der gleiche Ausdruck in der ersten Verszeile Platz gefunden hätte. Zu der Redensart: „iwtuni kochbd schamaj“ findet sich eine Sprachparallele bei Penini: „iwto hamazzab haschamajmi“ (Bechinoth Olam Kap. 18). Was die Reihenfolge der Verszeilen betrifft, so ist sie bei Kämpf