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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-04-01 · Heft 4 (1.4.1887) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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die Juden haben Christentuin und Christen nie feindselig gegenübergestanden. Religiöse Unterscheidungslehren zeigte erst das spätere Heidenchristentum; das anfängliche Ur- und Judenchristentum war nur ein nuanciertes Judentuni und von den Inden ebenso wenig beanstandet, wie die vielen anderen Abweichungen unter den Juden von damals und heute in Lehre und Praxis. Von Jesus selbst werden aber solche nicht einmal berichtet; anscheinend betonte er nach dem Vorgänge der Propheten, Hillel's und anderer Lehrer mehr den Lehrinhalt der Religion, mehr das ideale Judentum, als das formale. Zu einer Verfolgung Jesu hatten deshalb die Juden keinen Grund; die Römer vielmehr verfolgten und kreuzigten ihn aus politischen Gründen. Diese fürchteten die Bedrohung ihrer Herrschaft und Macht in Judäa und unterdrückten deshalb jede, auch religiöse, Bewegung und Versamlung unter den Juden, weil sie hinter denselben politische Tendenzen witterten. Diesen Bestrebungen der Römer fiel Jesus mit so vielen Anderen zum Opfer. Den politischen Charakter seines Todes drückt ja auch die Dornenkrone aus, welche die Römer ihm Hönisch auf's Haupt drückten, und die bekannte Kreuzes-Jnschrift*), welche bezeugen sollte, daß Jesus die Römerherrschaft habe stürzen wollen, um König der Juden werden zu können, und deshalb den Kreuzestod habe erleiden müssen. Auch die ersten Christen-Gemeinden galten nicht nur bei den Juden, sondern selbst noch bei den Heidenchristen, als Juden; man nannte sie Juden-Christen und betrachtete sie als Juden.,, In dem ältesten Evangelium (Matthäus) sind trotz der späteren nivellierenden Überarbeitung, um es niit den anderen Evangelien in Uebereinstimmung zu bringen, die urspriinglichen judaisierenden Tendenzen noch erkennbar. Erst das spätere Christentum, von Paulus zum Zweck der Heidenbekehrung gegründet, machte den gewohnten heidnischen Sitten und Anschauungen Konzessionen, welche im Gegegensatz zuni Judentum standen. Dadllrch trennten sich Juden- und Heidenchristen, und diese verfolgten jene gleich den Juden, denen sie auch gleich geachtet wurden. Selbst aber diesem gegensätzlichen Christentum gegenüber verhält sich das Judentum nicht feindselig und gehäßig. Dasselbe wird vielmehr als eine notwendige Abzweigung des Judentums anerkannt, uni jüdische Gotteserkenntnis nnd Moral unter die Heiden zu tragen. Für die Zivilisierung der Heiden war und ist das Christentum ein Bedürfnis, nicht für die Juden. Die Verwandtschaft der Religionen aber läßt Juden und Christen als Brüder gelten, um in Frieden miteinander zu leben und eine dereinstige Vereinigung zu erhoffen und zu erstreben. R.-A. Wona 1 sschau. Das Bureall des „Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes" in Berlin versendet das von ihm herausgegebene statistische Jahrbuch für 1887, welches gegen früher eine Erweiterung erfahren, indem auch die Seelenzahl der einzelnen Gemeinden mit aufgenommen ist und Vorstandsmitglieder und Verwaltungsbeamte init Namen angegeben werden. Den Schluß dieser dankenswerten Publikation bilden behördliche Verfügungen und Entscheidungeil, jüdische Verhältnisse betreffend. Wir machen Vorstände auf Letzteres ganz besonders aufmerksam, damit sie behördliche Entscheidungen, welche allgemeines Interesse erregen, dem *) INRI d. i. Jesus Nazarenus Rex Jiulaeorum „Jesus von Nazareth König der Juden."

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