Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1887)
- Date
- 1887-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- y -f.-' "y-^-^p <!^»v >3 — 81 — * das größte Glück, das einem Volke ju Teil werden kann — aber er muß sich dabei immer noch fragen: wer weiß, ob sie zufrieden sind, ob sie es sich nicht anders überlegen? Widersprechen müssen sie doch für jeden Fall, warum sollte es ihnen jetzt nicht mit einem Male in den Sinn kommen, daß die Knechtschaft doch besser sei als die Freiheit? Es ist das Undenkbarste von der Welt, daß Menschen zu einer solchen Meinung kommen oder daß ein Volk, das von schwerem Feindesdrucke erlöst ward, selbst das kaum abgeworfene Joch des Elends sich wieder aufladen werde; aber Moses muß nach den Erfahrungen, die er in Israel gemacht hat, auch auf das Undenkbare gefaßt sein. Er hat sie aus Mizraim herausgeführt und gerade deshalb werden sie wieder dorthin zurückkehren wollen. Sie haben doch auch ihre Meinung, und wer will es hindern, wenn sie die eben gewonnene Freiheit nur dazu gebrauchen sich selbst wieder zu Knechten zu machen? Da sollte aber nun bald auch der Tag komnien, an welchem Israel die Fesseln der Geistesknechtschaft abwarf, nachdem früher schon die Ketten der ägyptischen Gewaltherrschaft gesprengt waren. Pharao kämpfte und Israel siegte nicht durch die eigene Kraft, sondern durch den wunderbaren Beistand des Herrn. Da war auch der Glaube, der dem Guten Aufschwung und Festigkeit verleiht, zu seinem Siege gekommen und Israel war geheilt von seinem Wankelmut und seiner Verblendung. Als eine Leiche lag Mizraim vor den Augen Israels hingestreckt; da hatte seine Menschenfurcht sich in lebendige Gottesfurcht umgewandelt und man glaubte an den Ewigen und auch an Mosen, den treuen Diener seines Herrn. Dieser Sieg des Glaubens, der das große Erlösungswerk unserer Vergangenheit krönte, dieser Sieg des Geistes iu Israel ist es, den wir feiern und verherrlichen, und wie es einst aus dem Munde von Tausenden erklang: dem Herrn singet das Lied, dem ewigen weihet euere Freude, denn er ist erhaben über allen Hohen und Mächtigen, ihm dienen die Wogen des Meeres, vor ihm stürzen die Gewaltigen der Erde; so verkünden wir den Ruhm des Ewigen, die Ehre des Weltenherrschers, dessen Liebe alle Menschheit umfaßt, dessen Reich für alle Ewigkeit auferbaut ist. Der Glaube, der die Geistesfreiheit und Gottesherrschaft bedeutet, der uns von der Menschenfurcht befreite und uns mit Gottesfurcht beseelt, der uns einen Frühling unverwelklicher Hoffnung in das Herz hineinträgt, der das Licht des ewigen Lebens über der Vergänglichkeit dieses Erdendaseins uns erstrahlen läßt, der wie ein leuchtendes Gestirn an km Himmel unserer Vergangenheit uns aufgegangen ist und in mancher düsteren Leidensnacht seinen milden verklärenden Glanz wie einen freundlichen Himmelsgruß uns zugesendet hat, der Gottesglaube, der stets die Seele unseres Lebens, die Säule unseres Menschtums, der Stab unserer Hoffnung, der Stamm unseres Heiles, die Quelle aller wahren Glückseligkeit in Israel gewesen, er soll diesen Sieg, den er einst in den Tagen, an welchen zum ersten Male das Gottesreich auf Erden verkündet wurde, über die verblendete Verstocktheit davongetragen hat, auch für die Dauer in unserer Mitte behalten. Freilich müssen solche Siege, so leicht sie auch zu erringen sind, doch immer von Neuem erkämpft werden. Wir sehen, wie lange es gedauert hat, wie außerordentlich schwer es unseren Vätern geworden ist, in den Besitz jenes wahren und reinen Glaubens zu gelangen, der das Herz mit inniger Zufriedenheit erfüllt und dem Geiste Erleuchtung und Klarheit verleiht und wahrlich! die Gefahren für den Glauben und den Gottessinn in Israel sind in unserer Zeit groß genug, daß tvir uns ernstlich danach umsehen mögen, wie diese Schätze unseres Heiles vor dem Untergange zu retten sind. Heutzutage