Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-04-01 · Heft 4 (1.4.1887) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969740-2969745--1930-2972093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

■m- :'«■ — 83 — Raamses II. ist der „neue König, der den Josef nicht kannte" der die Israeliten bedrückte und sie zwang, die nach ihm benannte Stadt Raamses zu bauen. Dreizehn Könige mit Namen Raamses weist die neunzehnte Dynastie auf. Raamses II. war von semitischer Herkunft und schön von Gestalt. Rawlinson sagt: Die Gestalt des Antlitzes Raamses II. zeigt, daß semitisches Blut durch seine Adern floß. Seine meisten Kinder starben ihm bei seinem Leben. Am 1. Juni 1886 wurde die Mumie Raamses II. eröffnet, von welcher photographische Abzüge in den verschiedensten Zeitungen zum Abdrucke gelangten. Man fand bei den Ausgrabungen in Theben den Sarg Raamses I. und die Körper Setis I. und Raamses II., welche sich gegenwärtig im Museum von Bulag befinden. Raamses II. war ein Mann von stattlicher Figur. Emil Brugsch Bä, welcher bei der Auswicklung der Mumien zugegen war, versichert, daß der Kopf das allgemeine Erstaunen der ausgezeichneten, zu dieser Handlung gebetenen Gäste erregt hat. Der Ausdruck der Züge ist der eines Mannes von entschlossenem, fast tyrannischem Charakter. Er starb als Achtziger. Charakteristisch für seine Gesichtszüge ist die stark gebogene Nase. Wie lehrreich sind doch diese geschichtlichen Funde! Israel ist der einzige lebendige Zeuge solcher Vergangenheit und sein erster Bedrücker erinnert es an den Morgen seiner Geschichte, an dem es durch die göttliche Gnade aus Knechtschaft zu ewiger Freiheit geführt wurde. Wachman Krochmal. Vortrag, gehalten von S. Schechter in der „Litteraturgesellschaft des J6W8 College“ tri London, am 2.1. Januar 1887. In einer gutherzigen Panegyrik der „Mittelmäßigkeit" sagt George Elliot, in ihren „Szenen aus dem Leben des Klerus (Scenes of Clerical Life): „Laßt uns hoffen, — es giebt eine schützende Unwissenheit!" Diese Hoffnung teilt die größte Masse der Menschheit mit der Novellistin, und auch ich, obgleich mein Beweggrund ein eigennütziger scheinen mag, schließe mich dieser Hoffnung an. Aber Manche wollen nur der Unwissenheit solchen Schutz zuschreiben, das ist zuviel für sie beansprucht; es muß gewiß auch ein schützendes Wissen geben! „Der Herr bewahrt die Einfältigen" sagt der Psalmist, aber es giebt Zeiten, wo Gott den Menschen nicht in Unwissenheit lassen will. Er darf indifferent sein — aber er darf nicht mehr unwissend sein! In solchem Falle hat der Mensch keine Ursache zu verzweifeln, selbst wenn seine geliebtesten Anschauungen umgestürzt werden. „Du sendest deine,« Geist, sie werden neu geschaffen, so verjüngst du die Gestalt der Erde," so lautet das Lob Gottes bei dem Dichter. Von diesem schützenden Geist, von diesem inspirierten Wissen, waren Saadja Gaon und sein Nachfolger Maimonides und seine Schüler, und schließlich auch Nachman Krochmal, der in der ersten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts blühte, erfüllt in einer Zeit, wo der menschliche Verstand entweder von dem Voltairschen Skeptizismus angekränkelt war oder von den Flachheiten der Mendelssohn'schen Nachtreter. Der Redner erklärt, daß er Nachman Krochmal zum Gegenstände des Vortrages gewählt habe, weil derselbe nicht so bekannt sei, wie er es verdiene.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.