Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1887)
- Date
- 1887-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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v,\ •; %' - r yyfh:\ - * *■ -- t-^-* - --?-»» — 85 — sich ruhig der Gegnerschaft der Chassidim hin, die ihn als vom „bösen Geist" besessen betrachteten, und alles Mögliche anwandten, um sei» Französisch und Deutsch zu exorcieren. Krochmal gab ihnen keine Ursache zur Feindschaft, den» er hielt sich strenge an das Gesetz und die rabbinischen Lehren. Er beanspruchte für sich und andere nur das Recht zu studieren und der Erkenntnis neue Bahnen zu erschließen. So setzte er seine Studien bis zum Jahre 1831 fort, wo seine Schwiegermutter starb, und er seinen eigenen Unterhalt erwerben mußte. Er^war nicht so'glücklich als Kaufmann wie in seinen Studien, und kurz darailf traf ihn der härteste Schlag — der Tod seiner Frau. Seine Geschäfte gingen immer schlechter, und im Jahre 1836 hatte er schon eine Stellung annehmeu müssen, um sich zu erhalten. Er ließ sich nicht dazu bewegen, eine Rabbinerstelle anzunehmen, und seine Charakterstärke in der Verweigerung einer solchen, ward allgemein bewundert. „Die einzige Stelle, welche ich aunehmen würde," Pflegte er zu sagen, „wäre die Stelle eines Lehrers an einem theologischen Seminare, welches ihr gründen wöget!" Da ein solches Institut erst vierzig Jahre später errichtet wurde, mußte er sich anderswo nach Beschäftigung umsehen. Er fand solche, ward aber durch Krankheit gezwungen, bei seiner Tochter zu wohnen. In ihren Armen starb er im Mai 1840. Zunz bemerkt, daß Krochmal am 7. Adar, dem Geburtstag Mendelssohn's, geboren wurde, und am 19. Ab, dem Todestage des Hohepriesters Aron, starb. Die Details über die Biographie Krochmals sind aus den Werken und Briefen von Zuuz und Rappaport entnommen. Letteris behauptet, daß der Charakter Krochmals viel durch die Zeitzustände beeinflußt wurde. Es gab zu jener Zeit zwei Arten von jüdischen Gelehrten in Polen. Zuerst jene lernenden Maschine», welche die ganze Masse halachischer Ueberlieferung dem Gedächtnisse anvertraut haben, und zweitens die sogenannten Aufgeklärten, Dilettanten, der rationalistischen Schule Mendelssohn's, die alles, was nach Rabbinismus schmeckte, verachteten, ohne dessen edlere Form zu kennen. Krochmal war kein voluminöser Schriftsteller; alle seine Werke würden kaum 700 Seiten einnehmen. Er studierte nicht, um zu schreiben, sondern um ein besserer, weiserer Mensch zu werden. Er war sehr langsam im Bilden eines Urteils über Jemanden, und hatte'er es gebildet, so veröffentlichte er es nicht. Sein Hauptwerk „More Nebuche hasman“ (Führer der Irrenden der Zeit) ward zehn Jahre nach seinem Tode von Zunz, dem er seine Papiere überlassen hatte, veröffentlicht. Leider wurde das Werk zu Lemberg, einem durch schlechte Bücher bekannten Orte, gedruckt. Es hatte schlechtes Papier, schlechte Tinte und war voll Fehler. Der Text vereinigte sich oft mit den Noten. Eine zweite Ausgabe ward veranstaltet, welche fast noch schlechter als die Originalausgabe ist. Das Werk, ein Schatz für Kritik und jüdische Philosophie, enthält siebzehn Kapitel, die ein weites Gebiet umfassen. Die makkabäischcn Psalmen, die apokryphischen Bücher, die Männer der großen Synagoge, die Philosophie der alexandrinischen Schule, die Notwendigkeit einer mündlichen Ueberlieferung werden besprochen, und letztere bewiesen. Der Sinn „Haiacha Lemosche mi Sinai“ wird erklärt, der Ursprung der Mischnah besprochen. Das letzte Kapitel behandelt Jbn Esra. Obgleich Krochmals Werk manches Problem löst, hat es dennoch seine Mängel. Es fehlt die Proportionalität der einzelnen Teile; der Verfasser verliert sich zu häufig von seinem Gegenstände. Es lag aber zu dieser Zeit noch keine geschriebene Geschichte vor, nur die Werke de Rossi's gewährten Krochmal einige Hülfe. Er mußte also erst die einzelnen historischen Thatsachen finden, und dann über sie philosophieren. Seine Arbeiten trugen ihm mit Recht den Titel