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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-04-01 · Heft 4 (1.4.1887) · p. Seite 76

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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80 Israel seinem Erlöser entgegenbrachte und da konnte er wohl auch schon wissen, woran er sei. Dieser Vorgeschmack seines Zuknnftsberufes, den Moses jetzt zu kosten bekam, hat auch recht ermutigend auf ihn eingewirkt, so ermutigend, daß er nichts Eiligeres zu thun hatte, als von diesen geliebten Brüdern schleunigst Abschied zu nehmen, um hinwegzuflüchten, um lieber in Midian Schafe zu weiden, als in Aegypten Israeliten zu erziehen. Er hätte es fast ganz aufbegeben, für dieses Volk, dessen innere Verfallenheit der äußern Erniedrigung, die es zu erleiden hatte, nichts nachgab, noch weiter seine edelste Wirksamkeit einzusetzen, aber seine Selbstlosigkeit ließ es ja nicht zu, daß er an sich allein denken und das Volk, das in dem doppelten Elend schmachvoller Bedrückung und kläglicher Geistesfinsternis schmachtete, für immer verlasse. Moses war ja auch seiner Zeit der einzige Mann in Israel, der die Not der Zeit begriff, der den Mut der Wahrheit besaß, der der Macht des Geistes vertraute; das Heil der Zukunft lag in seiner Hand, nur er war dazu berufen, den Geknechteten die Freiheit zu bringen, den Befreiten die Wege der Erleuchtung zu bahnen, den Erleuchteten den Besitz des Friedens zu sichern und er sollte diefer erhabenen Sendung, die ihm zu Teil geworden, sich entziehen, weil Gemeinheit und Unvernunft gegen ihn ankämpfen und er nur Angriffe und Verfolgungen zu erwarten hat, schnöden Undank und hämische Mißdeutung und Verkennung? Moses folgt dem Rufe seines Gottes, er achtet nicht der Gefahren, denen er entgegengeht, er weiß, daß auch schließlich vor dem Throne des mächtigen Aegypterkönigs das machtvolle Gotteswort Gehör finden werde; nur ein Bedenken will ihm nicht aus dem Sinn, es sind wiederum die Kinder Israels, deren Einsichtslosigkeit ihm so schwere Sorge macht. Werde ich noch so überzeugend sprechen, noch so eindringlich ihnen zu Herzen reden, sie werden mir nicht glauben, ruft Moses aus, sie werden mich gar nicht anhören wollen; ich bin dessen sicher, daß sie mir ins Gesicht hinein sagen werden, ich hätte sie angelogen, es sei gar nicht wahr, daß der Herr mich zu ihnen gesendet habe, und ich sei daher nicht berechtigt, ihnen das Wort Gottes zu verkünden. Und in der That zeigte es sich auch bald, daß dieses Bedenken nicht unbegründet war. Moses muß erst vor ihnen Zeichen und Wunder thun, damit sie für den Augenblick ihm Gehör geben und auch dann waren sie bald wieder so kleinmütig und ungläubig, so albern und vernunftlos wie zuvor. Möge Gott euch strafen und richten, die ihr mit Euerer angeblichen Fürsprache bei Pharao und seinen Knechten uns in einen so üblen Ruf gebracht habt, ihr seid ja die Schwertträger und Bundesgenossen Pharao's, ihr gebt ja unseren Feinden die Waffen in die Hand, um uns zu vernichten. Das sind die Dankesworte, die Moses und Ahron zuerst von ihren Staminesgenossen zu hören bekommen und das Alles, weil nicht gleich nach der Aussaat schon die Frucht fertig herauskam und nicht mit einem Schlage Pharao und Mizraim und die ganze aegyptische Zwingherrschaft bis auf die letzte Spur vernichtet war. Moses mußte sich nnn mit Geduld ausrüsten, mußte abwarten, bis Pharao nach den vielen Plagen, die sein Land trafen, sich allgemach dazu entschließen werde, seine Gewalthätigkeiten einzustellen, aber auch sich wohl vorsehen, daß während der Zeit des Druckes, die noch lange andauern sollte, in dem Herzen Israels nicht die letzten Funken der Hoffnung und des Gottvertrauens verglimmen. Endlich kain die Stunde der Erlösung, Pharao hatte das Volk entlassen, Israel hatte seine Freiheit erlangt und da hätte sich doch alle Aengstlichkeit in Freudigkeit, alles kleinliche Mißtrauen in hingebungsvolle Dankbarkeit umwandeln müssen. Aber weit gefehlt! Moses hatte noch dieselben Sorgen wie ehedem. Er hatte Israel frei gemacht — gewiß

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