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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-04-01 · Heft 4 (1.4.1887) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 wahrhaft Sittlichen bleiben werden. Das Gebot, welches sich speziell an das Judentum wendet, ist das erste: „Ich bin der Herr, Dein Gott, der Ich Dich aus Egypten, aus dem Sklavenhause, geführt habe". Hierin ist der Grund-Charakter des Judentirms angedeutet. Dem Judentum ist der blinde Glaube vollkommen fremd; gießt es ja im Hebräischen nicht einmal ein Wort, das dem Begriff des „Glaubens" entspräche. So sehen wir auch hier, daß kein hiugebender Glaube verlangt wird, sondern der gesetzgebende Gott, indem er gleichsam die Beweise seiner Existenz hinzufügt, wendet sich an die Vernunft und verkündet durch die Betonung des Hinausführens aus dem Sklavenhause den Wert der Freiheit. Noch entschiedener hebt die unbedingte Freiheit des Willens auch jenes schone Wort der Bibel hervor: „Siehe, ich habe Dir vorgelegt das Leben und den Tod, das Gute und das Böse; wähle das Leben, damit Du lebest". Wenn wir nun noch das zweite Gebot hinzuziehen: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir", so sehen wir schon in der Gesetzgebung die Keime der späteren Entwickelung: mit freier Anwendung der Vernunft und des Wissens nach Einheit zu streben? Das nächste Ziel der Israeliten war: die Idee des einigen Gottes zu höherer Vollkommenheit auszubilden, und dem geringen Kulturzustande gemäß bemühten sie sich, den abstrakten Gedanken zu versinnlichen, indem sie Gott zu ihrem Nationalgotte machten, der die direkte, persönliche Leitung ihres Geschickes hatte. Dies ist der Jahve, bisher fälschlich Jehovet genannt, der Sieger über die verschiedenen lokalen Elohim, über den Fenergott Moloch, den Stiergott Schadai, den Sterngott Kijun. Diese Auffassung des Nationalgottes repräsentierten die verschiedenen Regiernngsformen, in denen sie sich versuchten: die theokratische Republik und die theokratische Monarchie, Staatsformen, von denen die erstere nie wieder erscheint, (wenn wir nicht etwa Utah, das Reich Beigham Ionej's und seine wunderlichen Heiligen vom Salt Lake hierher zählen müssen) deren letztere nur in alt-aegyptischen Institutionen eine Analogie findet, in dem doppeltgekrönten Phra von Theben und Memphis, den Söhnen der Sonne, des gewaltigen Amun Ka, welche so unter der Botmäßigkeit der Priester standen, daß sie selbst in den allerpersönlichsten Fragen, z. B. der Zahl der Umarmungen ihrer Frauen, sich nach priesterlichen Vorschriften richten mußten. Indem sich nun aber die jüdische Gottesidee immermehr zu reineren Begriffen läuterte, zerfielen die alten Staatsformen und vergebens rang man nach einer Konzentrierung der Gottesidee, denn es fehlte an der inneren Einheit der Individuen. Im Laufe der Geschichte und hauptsächtlich durch die siebzigjährige babylonische Gefangenschaft waren Momente in das Judentum gedrungen, welche seinen ursprünglichen Charakter getrübt hatten, einmal der arische, den Semiten ursprünglich fremde Gedanke des feindlichen Gegensatzes von Licht und Finsternis, die Lehre von den Repräsentanten des Dualismus: Auramazda und Ängromainjus von Gott und Teufel; hauptsächlich das Moment des Glaubens, wie es in dem nachexitischen Buch Hiob erscheint. Vernunft und Glaube standen sich nun unvermittelt gegenüber und die tiefe Sehnsucht nach einer Lösung des inneren Zwiespaltes verkörperte sich in die Messiasidee, welche bald mächtig das ganze Volk ergriff, um so mächtiger, da es mit der Hoffnung auf den Messias die der Wiederherstellung seines Nationalreiches verband. Schon aus diesem Grunde konnten die Juden den Messias in Jesus Christus nicht sehen, dessen Erscheinen

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