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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-04-01 · Heft 4 (1.4.1887) · p. [Seite]

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 4 (1.4.1887)
Date
1887-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fopläti-MMnscliAftlickh zur Jiefe§iung u6er has Dubentuin für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Dr. Adolf Brüll. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. 7. Jahrgang. Frankfurt a. M., den 1. April 1887. Nummer 4. Iie kulturgeschichtliche Aufgabe des Judentums. Bon Di*. Bernheim in Münnerstadt. In dem ewigen Wandel der Weltgeschichte tauchen Völker auf und erfüllen einige Jahrhunderte mit ihrem Streben; wenn sie aber die ihnen bestimmte Arbeit an dem Bau der Kultur vollbracht haben, versinken sie unaufhaltsam, um anderen Platz zu machen, die mit neuer Kraft die Menschheit weiter fördern. Alle Nationen des Alterthums giengen unter, als der frische Geist einer anderen Zeit höhere Bahnen erschloß; nur eine überdauerte den allgemeinen Ruin, die jüdische. So arg die Trümmer der Zerstörung dies Volk auch überschütteten, so weit es in alle Lande zerstreut ward, — es arbeitete sich empor, es lebte fort in Glück und Unglück von Geschlecht zu Geschlecht. Wenn diese beispiellose Ausdauer nach jenem weltgeschichtlichen Gesetze beweist, daß das Judentum eine Aufgabe hatte, die mit dem Altertum noch nicht gelöst war, so ist die stets lebendige Kraft desselben ein Zeichen, daß eine mächtige, entwickelungsfähige Idee in ihm von jeher wachte. Wie fast bei allen Völkern des Altertums liegt die Kindheit des jüdischen Volkes in tiefer Nacht. Der erste Schritt, den es in männlichem Erwachen thut, ist ein Schritt, der Freiheit, es zersprengt die Ketten der fremden Knechtschaft im Gefühl der sittlichen Stärke, welche ihm das Bewußtsein eines höheren Gottesbegrisfes giebt. Dieser Begriff stellt sich geläutert in jenen Geboten dar, deren Grundlage Moses gelegt. Wohl mögen dem eben erwachenden Volke diese Gesetze wie ein unmittelbarer Ausdruck des göttlichen Willens erschienen sein; denn sie sind so erhaben und so umfassend, daß sie für alle Zeiten die Richtschnur des

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