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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 66

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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66 Deeser Komitat zu erscheinen und an einem Sabbate weilte derselbe in dem benachbarten Orte Bethlen. Eine Menge von Glaubensgenossen aus der ganzen Umgebung zogen nach genanntem Orte, um die heiligen Reden des vergötterten Mannes zu vernehmen. „Hilel Lasch" verkündete auch seinen Entschluß nicht mehr nach Siebenbürgen kommen zu wollen, erstens weil seine Anhänger nicht mehr genug fromm seien, zweitens weil er altersschwach geworden (trotzdem heiratete derselbe erst im vorigen Jahre ein 17jähriges Mädchen). Es erregten auch in genanntem Orte die herbeigeeilten Juden durch ihre eigentümliche Sitten, wie durch ihr Singen und Tanzen auf der Straße bei den Christen großes Aufsehen. Der dortige Rabbiner, ein Neffe des „Hilel Lasch", ein ein sehr fanatischer und nicht ehrwürdiger junger Mann, begleitete seinen Bruder Rabbiner aus Krasno (Ungarn) nach dem Bahnhofe, benahm sich gegen einen Gensdarni, der ihn auf die Vorschrift im Bahnhofe aufmerksam machte, sehr grob und wurde von demselben gefesselt und verhaftet, jedoch auf Intervention des Stuhlrichters noch am selben Tage auf freien Fuß gesetzt. — In Medenire in Galizien wurde ein Jude, der einen Schänker wegen Bezahlung von einigen Gulden angeklagt, in dein Augenblicke vom Schlage gerührt, als er die Hand zum Schwören erhob. — Aus Budapest schreibt man uns: Wie „Magyar-Zsido Zzemle" mitteilt, hat Dr. Elia Lattes, Professor an der Universität zu Mailand, einen Preis von eintausend (1000) Lire für die Lösung folgender Aufgabe gestellt: „Kritisches Verzeichnis der griechischen und lateinischen Lehnwörter in den Talmuden und Midraschim, nebst einer Untersuchung der phonetischen und morphologischen Gesetze ihrer Aufnahme." Die Arbeit ist in lateinischer oder deutscher Sprache zu liefern. Bewerber müssen jetzige oder absolvirte Hörer der Budapester Landesrabbinerschule sein. Der Termin läuft am 31. März 1889 ab. — Am 16. Januar hielt Herr Rabbiner vr. Groß aus Lnndenbnrg im „Beth-ha Midrasch“ in Wien einen Vortrag über „Manasse ben Israel". — Der israelitische Frauenverein in Graz versendet den sechsten Jahres-Ausweis. Die Ausgaben von 952 fl. 22 kr. wurden durch gleiche Einnahmen gedeckt. Der Vermögensstand beträgt 2869 fl. 16 kr. In das Buch für „besondere Wohlthäter" wurde die verstorbene Frau Sophie Gomperz eingetragen. — Aus Wien ist uns zugegangen: Trauer-Rede gehalten an der Bahre des sei. Fräuleins Minna Gomperz am 29. Oktober 1886 von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner und Prediger Dr. M. Gildemann. Ein edles Menschenleben, sagt der Redner, ist ein Kunstwerk, in welches wir uns aber leider erst in dem Augenblicke ganz und voll versenken können, in welchem es der Zerstörung anheimfällt und schildert in ergreifenden Worten die Tugenden und Vorzüge der Heimgegangenen, deren Leben ein Paradies war, bestrahlt und erwärmt von der Sonne eines edlen und lebendigen Frauenherzens. — Wie man uns aus Wien schreibt, ist bei deni israelitischen Kultusvorstand daselbst ein Antrag auf Einführung eines Sonntagsgottesdienstes eingegangen, mit der Begründung, daß ein großer Teil der Kaufleute und Angestellten am Sabbat den Gottesdienst nicht besuchen könne. Der Vorstand hat dieses Gesuch abschlägig beschieden. — Die von der Autisemitenpartei kolportirten Petitionen an den Reichsrath um ein Gesetz gegen die Einwanderung ausländischer Juden (nach Art der amerikanischen Antichinesenbill) wurden von der Staatsanwaltschaft in Cilli (Steiermark) konfiszirt. Das Kreisgericht Cilli bestätigte die Konfiskation, da die Petition geeignet sei, sowohl wider eine Religions-Genossenschaft, als auch gegen Einwohner eines Staates überhaupt zu Parteiungen untereinander aufzu-

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