Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1887)
- Date
- 1887-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
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65 itoiuicj schilderte das Wirken des Heimgegangenen für Polen und Judentum. Außerdem sprachen Herr Prediger De. Mwenltein, Dr. Goldmaim und Prof. Lyslwwshy. Das Programm der jüdischen Fortschrittspartei war auch das seine. Durch seine Bestrebungen und durch seine Wirsamkeit zog er sich die Feindschaft der jüdischen Finsterlinge in Galisien zu und wurde von dem verstorbenen Krakauer Rabbiner Schreiber sogar in den Bann gethan. — In Wien starb am 17. Januar im Alter von 73 Jahren Herr Baron Eduard Tedesco, ein durch Wohlthätigkeit und Humanität ausgezeichneter Mann. Herr Rabbiner Dr. Güdemann schloß seine Rede, die er dem Heimgegangenen widmete, mit den Worten „der ist wahrhaft glücklich, der glücklich macht." — Am 9. Januar starb in Cwrtlrow der Rabbiner S. M. Schapira im 59. Lebensjahre. Er trat trotz vieler Anfeindungen mutig für die Sache der Aufklärung und Humanität ein. Er war ein edler biederer Charakter, er bekämpfte den Chassidismus in Polen, die Schwester der deutschen Pseudoorthodoxie. Er war ein Märtyrer für seine mit Ausdauer vertretene bessere Gesinnung. Ehre seinem Andenken! — In Prag starb im 71. Lebensjahre der Religionslehrer und Rabbiner Zalrob Klempner und in Kartsburg Herr Abraham Wolf, 112 Jahre alt, wohl der älteste Mann Siebenbürgens. — Aus Bistrih schreibt uns Herr Kerso» Frachter: Unter den Deputationen, welche dem hiesigen Obergespan, Herrn Baron önnfy, die Neujahrsgratulation überbrachten, befand sich auch eine Deputation der hiesigen israelitischen Gemeinde unter Führung des neu gewählten Rabbiners Herrn Äeuö Horovitz. Derselbe hielt eine Rede in ungarischer Sprache. Herr Baron Banfy beantwortete dieselbe in sehr höflicher Weise und hob hervor, wie sehr er sich über die dargebrachten Glückwünsche und patriotischen Gesinnungen des Redners im Namen der Israeliten der Stadt Bistritz freue. Er versicherte zugleich, die Juden des ganzen Komitates nicht nur in politischen Sachen, sondern auch in religiösen Angelegenheiten unterstützen zu wollen. Herr Baron Banfy hat sich' überhaupt zu Aufgabe gemacht, die noch existirenden Schranken zwischen Juden und Nichtjuden zu beseitigen. Die hiesige Gemeinde hat wirklich Herrn Rabbiner Horovitz viel zu danken, denn abgesehen davon, daß derselbe seinem Amte entspricht und eine lobenswerte Thätigkeit entfaltet, hat derselbe die bereits eingeschlummerte Gemeinde aufgeweckt und soweit gebracht, daß sie eine Mustergemeinde für das ganze Komitat bilden kann. Herr Rabbiner Horovitz ist ein sehr gelehrter und tüchtiger Mann und arbeitet mit unermüdlichem Eifer auf dem Felde der Bildung und Wissenschaft. Ferner schreibt uns Herr Fruchter: Der Chasidismus hat keine Füße mehr hierzulande und geräth ins Wanken. Bekanntlich hat der Chasidismus bei den jüdischen Einwohnern des Bistritzer und Deeser Komitates (Siebenbürgen) früher sehr stark um sich gegriffen. Der Fanatismus herrschte ungemein im Lande und übertraf noch den Fanatismus der galizischen Juden. Der allbekannte Volksredner „Hilel Lasch", Rabbiner zu Kolomea in Galizien, Verfasser des „Naokil el Dal“ und „Abkas Rauchei“ war der Vertreter dieser Richtung und ein aus Rußland nach Rumänien geflüchteter Wunderrabbi genannt „Alter Noe". Beide Rabbis streiften in verschiedenen Jahreszeiten das Siebenbürger sogenannte Bärnland durch. Erfterer Predigte Moral und Fanatismus und der zweite trieb Wunder und Wahrsagerei. Der alte Noe hatte jedoch bei seiner letzten Tour im Monate Juni v. I. sehr wenig Erfolg und kehrte nach seiner Heimat Botosany in Rumänien zurück. Er soll, wie allgemein verlautet, von seiner eigenen Leibgarde „Gabuim" vergiftet —^worden sein. Der Volksredner „Hilel Lasch" wagte es diesmal nur noch im Qo) 6