Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969740-2969744--1913-2972075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ V-' — 67 — reizen. — Im ungarischen Reichstage sorgen die Antisemiten für Abwechslung und Heiterkeit. Kranz Pulszky gieng den Antisemiten in einer Sitzung hart zu Leibe indem er, der unter Wuchern stark zu leiden hatte, ausrief „der Wucher ist nicht speciell jüdisch, da schon die adeligen Römer, darunter auch Brutus, demselben sich Hingaben." Die jüdische Rasse, sagte Pulsky, der man soviel, sogar das Alphabet verdanke, die Rasse, aus der Petrus, Paulus und die anderen Apostel Hervorgiengen, könne er nicht verachten. — Ueber das Alter der jüdischen Gemeinde in Triest sind die verschiedensten Ansichten vorhanden. Einige wollen ihre Entstehung schon in das erste vorchristliche Jahrhundert setzen; der älteste jüdische Grabstein daselbst weist auf das Jahr 1236 hin. Im Mittelalter hatten die Juden dort wenig zu leiden. Im Jahre 1468 wurden sie beschuldigt an einer Empörung teilgenommen zu haben und mußten zur Strafe an ihren Kleidungsstücken ein schwarz eingenähtes Judenzeichen tragen. Nach einer im Jahre 1548 stattgehabten Volkszählung lebten damals daselbst 221 Juden. Gegenwärtig leben in Triest an 5000 Juden. — Am 15. Januar wurde in Rain in Gegenwart der Repräsentanten der Regierung und anderer hoher Gäste das „Collegio Rabbinico Italiano“ feierlich eröffnet. Herr Iamnel Alatri hielt die erste Rede. Die beiden Seminarprofessoren, Rabbiner M. Sarani und Dr. M. Ehrenreich sprachen über Ziel und Bedeutung des neuen Institutes. — Herr Dr. Simon feoi in Kam erhielt von der Academio dei Lineei daselbst den königlichen Preis für sein hieroglyphisch-koptisch-hebräisches Wörterbuch, das demnächst erscheinen wird. — In Klaren; starb der Tondichter Giaachimo Muffatti. Er hat auch jüdische Gebete in Musik gesetzt. Sein Vermögen hinterließ er der jüdischen Gemeinde in Florenz zur Förderung wohlthätiger und religionsunterrichtlicher Zwecke. — Der Convertit Lirberinan», der Stifter der Congregation des „Spirito Santo“, dessen Kanonisierung von Papst Urban VIII. erfolgte, soll heilig gesprochen werden. Innerhalb der Ritencongregation in Rom hat dieser Fall zu Reibungen Veranlassung gegeben, denn es ist der erste Fall, daß einem früheren Juden die Beatification bewilligt wurde. — In seiner Villa bei Mantua starb Guileppe linsi, ein Jude, geboren 1815 zu Rivaroli Fuori. Er gehörte zu den edelsten und tüchtigsten Vorkämpfern für die Einheit Italiens. — Die „Gazetta di Venezia," bringt einen Artikel aus der Feder „eines Eingeweihten" über den großen Eifer, mit welchem die Königin Margherita nun schon seit Jahren das Hebräische studiert. Unter der Anleitung trefflicher jüdischer Lehrer hat sie es denn soweit gebracht, daß sie das alte Testament ohne sonderliche Schwierigkeiten zu lesen versteht. Ihre hebräische Bibliothek ist sehr reichhaltig. Es befinden sich darin die besten Erzeugnisse der jüdischen Litteratur. Die Gazetta bemerkt dazu: „Wenn irgend wer philosemitisch gesinnt ist, so gilt das von unserer Königin, und so wie sie, denkt, Gott sei Dank, das ganze italienische Volk. Bei uns bleibt der Antisemitismus eine Treibhauspflanze, die absolut nickst fortkommt." Etwas von der Teilnahme der hohen Frau für die jüdische Litteratur thäte den Töchtern Judas not. — In Italien wurde Herr Gerolamo Mariani, ein Jude, zum Direktor der südlichen Eisenbahnen des Landes ernannt. — Der Handelsminister Miltand, unser Glaubensgenosse, hat auch in dem neugebildeten Ministerium in Krankrcich eine Stellung erhalten. — Der Brigadegeneral Leoi in Paris wurde zum Divisionsgeneral befördert. — Bei der Renovierung der polnischen Synagoge in Paris (Rue St. Paul 5) fanden sich Malereien, welche diese Räume als einen Teil des Palastes erkennen ließen, deu-die Königin Blanche von Kastilien, die Mutter Ludwigs IX., des Heiligen, bewohnte, welche durch ihre judenfeindliche Gesinnung sich hervorthat. — Aus Payonne 6*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.