Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1887)
- Date
- 1887-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 freundliche Aufnahme. Von dem Geschicke ihrer Brüder im heiligen Lande haben sie nichts gewußt. Erst die aus Spanien vertriebenen Juden, die im 15. Jahrhundert sich dort ansiedelten, erzählten ihnen von den Erlebnissen ihrer Brüder. Die Juden in Malabar sind durch Schönheit ausgezeichnet, obzwar ihr Gesicht gelb wie Wachs ist. Die Haare glänzen wie Gold, sie kleiden sich in Sammt und Seide, tragen Taschenuhren und bedienen sich schöner Rauchpfeifen, sie sprechen englisch und wenn ein Fremder kömmt, können sie ihre Neugier nicht bemeistern und nehmen ihn durch allerlei Fragen ins Verhör. Die Weitesten der Gemeinde sind gewöhnlich die Vorsteher derselben. Die Lehrhäuser sind groß und prachtvoll ausgeschmückt. Thorarollen haben sie aus Jerusalem bezogen, sie haben auch alte Exemplare, die sie verschlossen halten, sie glauben, daß ihre Ahnen sie bei der Einwanderung mitgebracht hätten. Iie Sprüche der Waler und ihre historischen Beziehungen. Von Rabbiner I)r. S. Friedmann in Lublinitz. Sprüche verdanken in der Regel ihren Ursprung bald äußeren Zeitverhältnissen, Zeitanschauungen und Zeitstimmungen, bald dem persönlichen Wesen, der persönlichen Erfahrung und Wirksamkeit des Autors, bald dem Verhältnis des Autors zu anderen Persönlichkeiten, und es darf darum auch wohl als eine „des Schweißes der Edlen werte" Aufgabe betrachtet werden, wenn auch nur versuchsweise, die „Sprüche der Väter" rücksichtlich ihrer Entstehung möglichst voll zu würdigen. — Freilich kann der nur allzu allgemein gehaltenen Art solcher Sprüche gemäß deren historische Tendenz und Beziehung nicht immer mit voller Bestimmtheit und Genauigkeit behauptet und dargethan werden; aber selbst auf die Gefahr hin, hier und da nur nach Vermutungen operiren oder auf alle und jede Beziehungsangabe verzichten zu müssen, verlohnt es doch der Mühe, einen ernsten Versuch zu wagen, durch welchen jedenfalls ein großer Teil der Sprüche ins rechte Licht gestellt werden kann. — Bevor wir indessen auf die Behandlung der eiuzelnen Sprüche näher eingehen, ist es nötig, wenn auch nur mit kurzen Worten, über die Reihenfolge der Sprüche zu handeln, welche nicht genau der Chronologie entspricht. Die kernigen Wahlsprüche, welche in den fünf Abschnitten (Perakim) des neunten Traktats (Aboth) im vierten Seder Nesikin enthalten sind, haben zu Verfassern die Aboth, d. i. Väter und Lehrer der alten Zeit, welche von der Synagoga Magna bis auf Gamaliel HI, den Sohn R. Juda's „Hannaßi" reicht, während der sechste Abschnitt auch Sprüche enthält, die aus einer noch späteren Zeit stammen. Die Komposition der Sprüche gehört nicht einer einzigen sondern, wie die Mischna überhaupt, mehreren Redaktionen und zumeist aus diesem Grunde vermissen wir an einzelnen Stellen die chronologische Ordnung. Um die Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels fixierte wohl R. Jochanan b. Sakkai, Hillel's bedeutendster Schüler, die Traditionskette von der Synagoga Magna bis auf seine Lehrer Hillel und Schammai, und so entstand das älteste /.Aboth" (Sprüche 1, 1—15. II., 4b—7) bei welchem Schammai's Spruch fast genau in die Mitte der Sprüche Hillels kam, weil Schammal nicht vor Hillel, dem mehr anerkannten und verehrten Lehrer, angeführt werden sollte und weil die Endworte von II, 7 einen willkommenen Schluß darboten. — Eine zweite Redaktion geschah sodann