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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 60

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 matische Methode war das Widerspiel meiner poetischen Sinnes- und Darstellungsweise, und eben jene geregelte Behandlungsart, die man sittlichen Gegenständen nicht angemessen finden wollte, machte mich zu seinem leidenschaftlichen Schüler, zu seinem entschiedensten Verehrer. Geist und Herz, Verstand und Sinne suchten sich mit notwendiger Wahlverwandtschaft, und durch diese kam die Vereinigung der verschiedensten Wesen zu Stande." Es war bei seinem Austritte aus der „Sturm- und Drangperiode", als Göthe Spinozas Ethik, dieses merkwürdige Buch in dem die Seele der Poesie im geometrischen Körper ruht, erfaßte, und sie blieb stets bei ihm, als ein fortwährender Quell, aus dem er sich erfrischte und stärkte, an der Doktrin einer allumfassenden Einheit und selbstlosen Lehre! Ein besonderes Band zwischen dem Weisen von Weimar und dem Philosophen von Haag liegt in ihrer gleichen Hineigung zur Naturphilosophie, welche die Notwendigkeit einer ersten Ursache annimmt. Göthe trat seine geistige Laufbahn in einer Periode an, die gegen den Aberglauben, wie er vor dem Voltaire'schen Sceptizismus herrschte, Krieg führte; er stand der christlichen teleologischen Theologie feindlich gegenüber. In solcher Zeit der Vergöttlichung der Natur war es, da die Rousseau'sche Philosophie wenigstens als eine lebendige Kraft ihn ansprach, es war die Periode, die er als „göttliche Schwärmerei" beschreibt. Von Rousseau zu Spinoza aber ist ein gar weiter Weg und die Erhebung zu solcher Höhe moralischer Erhabenheit, wie das Erfassen des Mittelpunktes der Spinozistischen Lehre, der Entsagung, („Alles sagt uns, das wir entsagen müssen!") ist der wahrste Zeuge des Göthe'schen Sieges über die niedere Natur, wie er sich selbst ausdrückt: „Meine Lehrlingszeit war vorüber, als Spinoza in meinem inneren Leben den Platz einnahm, welcher bis dahin durch Rousseau ausgefüllt worden war." Er kam auf Spinoza eben zurück durch die lebhaften Angriffe, welche derselbe durch fanatische Orthodoxe erlitt. Aus Bayle's Wörterbuch ersah er mit Mißtrauen, daß der Mann ein Atheist und seine Meinungen als höchst verwerflich angegeben, sodann aber zugestanden wurde, daß er ein ruhig nachdeukender und seinen Studien obliegender Mann, ein guter Staatsbürger, ein mitteilender Mensch, ein ruhiger Partikulier gewesen, und so schien man ganz das evangelische Wort vergessen zu haben: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!" Denn wie will doch ein Menschen und Gott gefälliges Leben aus verderblichen Grundsätzen entspringen? „Dieselbe Friedensluft wehte mich wieder an. Ich rgab mich dieser Lektüre und glaubte, indem ich mich selbst schaute, die Welt niemals so deutlich erblickt zu baben! Unser physisches sowohl als unser geselliges Leben, Sitten, Gewohnheit, Philosophie, Religion, ja so manches zufällige Ereignis, Alles ruft uns zu, daß wir entsagen sollen! Das war der Trost, die friedliche Wirkung, die Göthe aus der Lektüre Spinozas gewann, worauf sein Zutrauen zu Spinoza ruhte, und es zeugt für den bescheidenen wahrheitsliebenden Geist Göthes, wenn er sagt: „Denke man aber nicht, daß ich seine Schriften hätte unterschreiben und mich dazu buchstäblich bekennen mögen. Denn, daß Niemand den andern versteht, daß Keiner bei denselben Worten dasselbe was der andere denkt, daß ein Gespräch, eine Lektüre bei verschiedenen Personen verschiedene Gedankenfolgen aufregt, hatte ich schon allzu deutlich eingesehen." Man wird dem Verfasser von Werther und Faust wohl zutrauen, daß er von solchen Mißverständnissen tief durchdrungen, nicht selbst den Dünkel gehegt, einen Mann vollkommen zu verstehen, der, als Schüler von Descartes, durch mathematische und rabbinische Kultur sich zu dem Gipfel

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