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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 56

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Wir glauben also — und damit gehe ich auf die breitere Auseinandersetzung unserer Aufgaben über — zunächst an die Heilswahrheiten der jüdischen Religion und wollen diese in ihrer Reinheit erhalten wissen. Wir glauben an den Einen, geistigen Gott, der war, ist und sein wird, der die Welt erschaffen hat und sie erhält und regiert; ein Gott der Liebe ist er, gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken, ein Freund des Guten und ein Feind des Bösen. Unser erhabener Lehrer Moses, der größte der Propheten, hat uns dies heilige Urbild osienbart und uns unsere Pflichten gelehrt: „Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen", „Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst", „Heilig, heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott". In der Thora und den Propheten ist diese von Gott stammende, auf dem Grundsatz der Freiheit und Gleichheit aller Menschen aufgebaute Moseslehre enthalten, und weiter sind in ihr enthalten Satzungen, deren Weisheit und Zweckmäßigkeit von selbst einleuchten und die ein von Gott uns empfohlenes Mittel zur Heiligung sind. Thora und Propheten also sind der Quell unseres religionsgesetzlichen Lebens; über sie hinaus kein göttliches Religionsgesetz. Speziell der Talmud ist, soweit nicht beglaubigte Tradition in ihm aufbewahrt ist, für uns in keiner Beziehung eine Bekenntnisschrift oder gar eine Urquelle göttlicher Mittheilung, sondern nur ein Buch von religionsgeschichtlichem Wert, insofern er die Fortentwickelung des religiösen Lebens im zweiten Jahrtausende unserer Religionsgeschichte darstellt. Insoweit dnrch denselben die in ihrer Fassung klaren mosaischen Gesetze infolge einer dem einfachen Wortsinne zuwiderlaufenden Auslegung und infolge mißdeutender Hinzufügungen unklar geworden sind, legen wir entschieden Verwahrung ein und sind bestrebt, ans der häßlichen Schale den goldenen Kern herauszuschälen. Den Anforderungen der reinen mosaischen Lehre aber wollen und müssen wir willig entsprechen, nicht vergessend, daß das Judentum die Religion des Gesetzes ist. Hier ist auch der Boden, auf dem wir uns mit den Anhängern des Altrabbinismus treffen, hierdurch sind alle Bekenner des Judentums in Einigkeit verbunden, gestützt hierauf erklären wir, daß die jüdische Religion nur insofern eine Nationalreligion ist, als sie einem bestimmten Stamm zunächst gegeben worden ist, daß sie aber ihrem innersten Charakter und ihrem tiefsten Wesen nach eine Weltreligion ist, und wir sind weiter überzeugt, daß die Mission des jüdischen Stammes gerade darin besteht, der jüdischen Religion allgemeinste, ungeteilteste Anerkennung zu verschaffen. Gerade weil wir uns dessen klar bewußt sind, daß der jüdische Stamm, der bereits vier Jahrtausende an der Verbreitung der reinen Gotteslehre arbeitet, auch den kommenden Geschlechtern verpflichtet ist, weiter in dieser seiner Mission thätig zu sein, gerade weil wir wissen, was wir der Zukunft schuldig sind, sind wir selbst heutzutage, wo die Wissenschaft und die gesellschaftlichen Verhältnisse gleich große Gefahren für das religiöse Bekenntnis bilden, gegen Gottesleugnung und Abfall gewaffuet und harren zuversichtlich der herrlichen, von Jesaias, dem großen Propheten, vorausgesagten Zeit, wo die gesammte Menschheit in Liebe, Gerechtigkeit und Frieden und in dem Glauben au den Einigen, Ewigen vereint sein wird, wo, um mit den Worten des Propheten zu sprechen, „deine Obrigkeit der Friede, dein Zwingherr die Gerechtigkeit ist" (Jesaias Cap. 60, v. 17), wo „Völker, welche du nicht kennst, du herbeirufen wirst und Völker, die dich nicht kennen, dir zuströmen werden" (Jesaias Cap. 55, v. 5),

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