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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 durch den einen Gott, dessen Gnade sich an unseren Vätern so oft bewährt und den wir alle bekennen mit des Glaubens Wärme und Innigkeit. Denke zurück, Israel, an das Geschick, das deine Vorfahren betroffen, an das Elend, von dem sie so oft heimgesucht, an den gnadenreichen Beistand, den der Ewige ihnen stets gesendet! denke zurück an deine Vergangenheit, auf deren Bahnen du, geleitet und geeint, von dem erhabenen Gottesgeiste, der dich beseelt, dahingeschritten bist nnd bleibe einig! Ein Volk sind sie, obwohl zerstreut und abgesondert unter den verschiedenen Völkern, ruft Haman seinem Könige zu, darin liegt das Geheimnis ihrer Unvergänglichkeit, darauf beruht ihr fortdauernder Bestand, ihr in die Ewigkeit hinausreichendes Dasein. Dieses Wort, das zu der Anklage, die der Verleumder nun Vorbringen will, die Einleitung bildet, hat wohl in dem Munde des Feindes, der selbst die Lichtseiten in Schatten zu stellen sucht, einen gehässigen Klang, aber an und für sich spricht es die Bewunderung einer Treue nnd Eintracht aus, die selbst bei allen Versuchungen und Hindernissen nicht aufhört und nachläßt. Der Neider mag daraus einen Tadel machen, in Wirklichkeit ist hier für Israel ein Lob ausgesprochen, das es mit Stolz erfüllen kann. Zerstreut und doch einig, getrennt aber doch verbunden, kann die Freundschaft, kann die Brüderlichkeit einen höheren Triumpf feiern, als den, den sie damit erreicht hat? Ja, die Megilla erzählt uns davon, wie Israel mitten in der Zerstreuung nicht das Gefühl seiner Zusammengehörigkeit und seiner geistigen Gemeinschaft verloren hat, wie da Alle für Einen und Einer fiir Alle eingestanden sind. Jammer und Bangigkeit erfüllte alle Herzen, als der Befehl ergangen war, an einem Tage allen Israeliten im persischen Reiche — und außerhalb seiner Grenzen wohnten damals keine — den Untergang zu bereiten, selbst der letzte Funke von Hoffnung schien zu erlöschen, die Königin konnte die Fürbitte für ihre bedrängten Glaubensgenossen nicht vor Ahasveros bringen. Da sammelten sie sich in den Tagen schwerer Leiden, um vor dem Ewigen die Klage ihres Herzens zu ergießen, da war es ein Gedanke, der sie alle begeisterte, da war es ein Gefühl, das sie alle mit gleicher Wärme und Innigkeit beseelte. Die finstere Gefahr war geschwunden, das Sonnenlicht der Freiheit hatte Israel wieder erhoben und sein Herz erblühte in Wonne und sein Haupt erhob sich in Würde. Wurde dadurch etwa das Band der Eintracht, das Israel bisher zusammengehalten, gelockert, zerrissen? Nein! Auch nach der erlangten Rettung zeigte es sich, lvie Israel geeint dastand, gerüstet, um seinen Glauben zu retten, um sein herrliches Geistesgut zu schützen, um mitten in der Zerstreuung seine Einheit und Gemeinschaft sich zu erhalten. Sollte nicht diese Lehre der alten Estherolle, diese Mahnung des alten Purimfestes stets von Neuem in unserer Mitte erklingen, sollten wir seines Zurufes wirkich nicht mehr bediirfen? Sollte seine Mahnung für uns überflüssig, wertlos, gegenstandslos geworden sein? Ist denn der Zusammenhang der israelitischen Gemeinschaft, der bisher den Einzelnen mit der Gesammtheit auf das Innigste verbunden, nicht gerade in unserem Zeitalter, in welchem auch uns die Pforten des Rechtes und der Freiheit sich geöffnet haben, gar sehr gelockert worden? Giebt es nicht heutzutage noch Männer in Israel, die ebensowenig wie Haman an der Einheit unserer Gemeinschaft ihr Behagen finden und das nicht aus Haß, sondern aus purer Liebe zum Judentum, aus lauter Frömmigkeit und Gottesfurcht? Hat man sich nicht bemüht, die Saat der Zwietracht in die Herzen zu streuen, die Glut des Kampfeseifers in den Herzen anzufachen und Israel, die eine Gottesgemeinde, der Zerissenheit, der Zersplitterung und Auflösung entgegenzuführen? Wahrlich, wenn heute ein Haman mit Anklagen gegen

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