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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-03-01 · Heft 3 (1.3.1887) · p. Seite 50

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 3 (1.3.1887)
Date
1887-03-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 werden, die keine Heimat besitzen, kein Vaterland haben und dem verhängnisvollen Spiele der Willkühr und des Zufalls preisgegeben sind. Aber auch die Verheißung hat zum ersten Male sich bewährt und verwirklicht: „Auch wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, ich verlasse sie nicht, ich verwerfe sie nicht, ich lasse sie nicht untergehen, ich entziehe ihnen meine schirmende Vatertreue nicht, denn ich bin der Ewige, ihr Gott, und in dem Schutze meiner Macht und Gnade sind sie geborgen". Was hatte Haman nicht alles aufgeboten, um seinen Vernichtungsplan gegen Israel durchzuführen! was hatte er nicht alles in Bewegung gesetzt, um an dem Volke Mordechais seine Rache auszulassen! das giftige Wort der Verleumdung, das klingende Gold der Bestechung, die wirksame Kunst der Ueberredung, das blitzende Schwert der Verfolgung, den machtvollen Einfluß seines Amtes! Wahrsager und Sternseher wurden berufen, daß sie es ausfindig machen, an welchem Tage, in welchem Monate für Israel ein Uuglückslos falle, Schreiber und Dolmetscher wurden herbeigeholt, daß sie in allen Sprachen und Schriftarten, die von Indien bis Aethiopien bekannt sind, den Königlichen Befehl zur Vernichtung Israels ausfertigen, Boten und Schnellläufer nach allen Richtungen ausgesendet, daß sie weithin bis in alle Enden des Reiches es verkünden, was da über die jüdischen Bewohner des Landes ward beschlossen. Kaum war die Einstimmung des Königs zu dem verruchten Vorschläge erfolgt, da wurde er sofort zum Gesetze erhoben, da wurden Tausende von Abschriften des königlichen Erlasses durch alle Länder des Reiches versendet und ausgeteilt, damit ja nur alle Bewohner Persiens davon Kenntnis erhalten und nicht irgendwo der Tag versäumt werde, an dem es jedein frei steht, über Recht Eigentum und Leben der Israeliten nach Willkühr zu schalten und zu verfiigen. Die Laune des Königs, die hatte Haman bereits für sich erobert; die Leidenschaft des Volkes, die war durch die Aussicht auf die reiche Beute ebenfalls gewonnen. Was fehlte noch dazu, um den so wohl gelungenen, so sicher vorbereiteten Plan zur Ausführung zu bringen? Und dennoch ist er vereitelt worden, ist das Verderben, das Haman anderen bereiten wollte, auf sein eigenes Haupt zurückgefallen. Das Schlingnetz der Verfolgung, das durch so viele Fäden des Truges und des Lasters gewoben war, das ward zerrissen und Israel war gerettet, gerettet durch den Beistand des Ewigen, der mächtiger ist als alle Mächtigen auf Erden, der mit seinem gnadenreichen Walten erhaben ist über der Menschen Thorheit und Niedrigkeit. So ist auf die erste Gefahr, die über Israel in seiner Zerstreuung hereingebrochen, auch da zum ersten Male die unerwartete Rettung und Erlösung gekommen und so für Israel aufgegangen ein Stern unvergänglicher Hoffnung, der da freundlich hineinleuchtete in die finstere Nacht des Elends, die auf den Gefilden seiner Zukunft ausgebreitet lag. Das Andenken an die Rettung, die Israel in den Tagen Mordechais und Esthers zu Teil geworden, konnte in den Herzen unserer Väter nicht erlöschen; haben sie ja gar oft beobachtet, wie eine solche stets von Neuem an ihnen selbst sich vollzogen. Diese Tage konnten gar nicht vergessen werden, konnten gar nicht unbeachtet bleiben, nachdem stets in den eigenen Erlebnissen das Andenken derselben wiederkehrte und in den vergangenen Jahrhunderten so viele Hamane, deren böse Anschläge zu nichte geworden, dafür gesorgt haben, daß Israel mit Dank und Freude an seine Purimfeier schreite, ja daß es sie an den Jahrestagen, an denen ein schweres Verhängnis von ihm abgewendet worden, wiederhole und erneuere. Diese alten Freudentage des jüdischen Freudenmonates, die zum Andenken

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