Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
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Konfession u. s. w. — Im verflossenen 1885/86er Schuljahre gab es in Ungarn — laut dem XV. Ausweise des ungar. Kultusministeriums — bei einer jüdischen Seelenzahl von 630,000 an schulpflichtigen Kindern (von 6—12 Jahren) 116,233 d. i. 18.b90/o. Factisch besuchten von diesen die Schule 90.266 d. i. 77.66 °/o. Jüdische Volksschulen gab es 512. Den Schulbesuch betreffend stehen unter allen Konfessionen die Juden in 3. Reihe. Die Zahl der jüdischen Lehrer betrug 979, in welcher Zahl 90 Lehrerinnen inbegriffen sind. In den jüdischen Schulen wird überall die ungarische Sprache als Unterrichtssprache gebraucht. Nur 23 Lehrer jüdischer Konfession kannten die ungarische Sprache nicht. Eine jüdische Lehrerpräparandie gibt es in Budapest, deren Schülerzahl 95 beträgt. Ferner gibt es im Lande blos 5 jüdische Kinderbewahranstalten. In den 178 Mittelschulen des Landes waren 7370 Schüler mosaischer Konfession. In der Budapester Universität waren unter 3375 Hörern 1058 mosaischer Konfession, am Josef-Politechn>kum von 621 — 220 jüdische Hörer. — Bei Gelegenheit der Budget-Verhandlung des ungarischen Kultusministeriums in der Kommission des Abgeordnetenhauses fragte Herr Moritz Wahrmann, Reichstagsabgeordneter und Präses der großen Budapester Religionsgemeinde, Herrn Trefort, ob er Kenntnis davon hat, daß im Budapester königl. katholischen Obergymnasium die jüdischen Schüler abgesondert — in Paralellklassen — von ihren christlichen Mitschülern sitzen müßten, und wie sich dies mit den Ideen einer liberalen Regierung verträgt? Max Falk und Bist unterstützten Wahrmanns Antrag, der Minister versprach eine Untersuchung einzuleiten und wenn dem so ist—dies fernerhin zu verbieten. — Im Jahre 1869 der Gleichberechtigung der ungarischen Juden ist in Siebenbürgen ein ganzes Dorf — 70 Familien — die früher Sabbatianer waren und dem Scheine nach dem reformirten Glauben angehörten — zum Judentum übergetreteu. Das Dorf mit seinen wackeren jüdischen Ackerbauern heißt Bözöd- Ujfalu. Sie bauten Synagoge, Schule und rituelles Bad. Rach einer Mitteilung des ehrw. Herrn Di- Beck, Rabbiner zu Bukarest (Rumänien), der während seines Sommeraufenthaltes in Siebenbürgen dieses Proselytendorf besuchte, ist die Lage dieser unserer neuen Glaubensgenossen eine sehr trostlose und traurige, Tempel und Schule sind dem Verfalle nahe. „Llax^ar 2siäo Szemle“ („üng. jüd. Revue"), das Organ des ungarischen Rabbinerseminars hat eine Sammlung unter den Glanbensgenossen eingeleitet, welche bis jetzt 1000 fl. ergab. O! möchten unsere Glaubensgenossen im Auslande diese unsere Brüder auch nach Kräften unterstützen. Spenden nimmt gerne die Redaktion des obgenannten Blattes entgegen. Bis äat, qm cito dat. — Herr Heinrich L6vay, unser Glaubensgenosse, wurde auf Vorschlag des ungarischen Ministerpräsidenten von Sr. Majestät Kaiser-König Franz Josef I. zum lebenslänglichen Mitglieds des ungarische» Magnatenhauses gewählt. Herr L6vay ist bereits seit 29 Jahren Direktor der ersten ungarischen Assecuranz-Gesellschaft und hat sich in dieser Eigenschaft unverwelkbare Verdienste erworben. Er ist nun nebst Dr. Jgn. Hirschler und Carl Schwab der dritte im Bunde der ungarischen jüdischen Magnaten. — In Komorn (Ungarn) wnrde am 15. Januar das 25jährige Priesterjubiläum des dortigen Oberrabbiners Armin Schnitzer gefeiert Schnitzer hat sich nicht nur als tüchtiger Kanzelredner, sondern auch als patriotischer Seelsorger — decorirt durch den ungarischen König — einen Namen von gutem Klang erworben. — Die nächstjährigen ungarischen Reichsiagswahlen werfen schon ihre Wellen voraus. Das Häuflein antisemitischer Abgeordneten erließ einen Wahlaufruf an die »Gesinnungsgenossen" nur Anti-