Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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rottet worden. Was hat sie erhalten? Niemand anders, als Gott der Hers!,. Und warum? Weil sie der lebendige Zeuge sind für die göttliche Wahrheit de» Schriften des alten Testamentes. Soweit sie überhaupt noch Juden sind, halten sie diese heiligen Dokumente noch heilig und in hohen Ehren und sobald sie dies nicht thun würden, würden sie auch äufhören, Juden zu sein. So sind sie gleichsam die lebendigen Lesepulte der heiligen Urkunden geworden. Gäbe es keine Juden mehr, wäre es gelungen, dieses Volk gänzlich auszurotten, so würden unsere Gegner behaupten, die Schriften des alten Bundes seien unecht, sie seien von heidnischen Autoren oder von Christen selbst gefälscht worden. — In Odra» hat sich die Regierung veranlaßt gesehen, gegen die Einsprache der dortigen katholischen Geistlichkeit die Beerdigung einer jüdtschen Leiche ans dem christlichen Friedhofe anzuordnen. Die katholische Geistlichkeit hat den Friedhof, auf dem bald darauf ein christlicher Leichnam beigesetzt wurde, erst früher nochals eingeweiht. — Im Marmoroscher Comitat in Ungarn wurden Herr H. L. Zeichner und dessen Sohn, ein Student der Medizin, weil sie gegen Herrn Zatomon Marmor einen Bannbrief (Cherem) in 100 Exemplaren verbreiteten, der eine Pachtung als Meistbietender erstanden, vom Schwurgerichte in Debrecin zu Geldstrafen verurteilt. Der junge Mediciner erhielt noch obendrein drei Monate Gefängnis. — Eine interessante Gerichtsverhandlung spielte sich jüngst bei dem Liptauer Bezirksgerichte ab. Herr Moritz Löwy wurde verurteilt, weil er über Herrn Jacob Kindenbaum das Gerücht aussprengte, dessen Haushalt sei nicht „koscher". Herr Lindenbaum hatte unter dieser Verleumdung viel zu leiden, ja sogar der Bräutigam seiner ältesten Tochter machte dieserhalb die Partie rückgängig. Als Zeuge mußte Herr Cmanurl paschbes von der Farm „Neu-Altofen" aus dem Territorium Idaho Minessata durch die Consularbehörde vernommen werden, wozu er einen vierzigtägigen Landritt und eine zweitägige Eisenbahnfahrt machen mußte. Lindenbaum's Ehre wurde durch die Verurteilung Löwy's rehabilitiert, der bis zum Kaiser apellieren will. — Herr Oberlehrer Ignatz Spitzer aus Kattonya teilt uns mit: „Se. Majestät Kaiser-König von Ungarn spendete der ung. jüd. Gemeinde zu Bank 100 fl. für den Bau ihres Tempels. — Die Redaction des ung. Wochenblattes „Egyenloseg“, welches die angegriffenen Interessen des Judentums in heldenmütiger Weise verficht, hat der tüchtige Redacteur der „Jüd. Pester Zeitung" Herr Max Szabolcsi übernommen. Das Blatt erfüllt eine heilige Mission und ist würdig in weiten Kreisen verbreitet zu werden. — Am 4. December fand int Kultustempel der Budapester isr. Religions-Gemeinde eine seltene Feier statt. An demselben Tage nämlich fand die Konfirmation eines Schülers des israelitischen Taubstummeninstitutes statt. Der Konfirmand las in verständlichem Hebräisch die Haftarah. — In Folge der ministeriellen Regelung der Matriken-Bezirken (470) werden in Ungarn sehr viel seminaristisch gebildete Lehrer gesucht. Selbstverständlich müssen dieselben ungarische Staatsbürger und der Landessprache in solchem Maße mächtig sein, damit sie auch in derselben Kanzelreden sollen halten können. — Bis jetzt sind an 150 Matrikenbezirke noch nicht definitiv besetzt. — Am 6. December wurde die neue Volksküche des Budapester israelitischen Frauenvereins eingeweiht. Die Feier wurde durch einen von Obercantor Friedmann für diese Gelegenheit componierten Choräle eingeleitet, dann folgte eine Rede des Predigers vr. S. Koh». Anwesend waren unter mehreren die Gemahlin des ungarischen Ministerpräsidenten Frau Koloman Tisza, Oberbürgermeister Karl Rath und sonstige Sommitäten der Behörde und Stadtvertretung, sämmtliche Reichstagsabgeordnete jüdischer