Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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40 auf ein Minimum herab, um ihn indirekt aus dem Amte zu drängen. Mit den Rabbiner» macht man es vielfach nicht besser. So sorgt Israel für seine Lehrer, die seine geistigen und religiösen Interessen Pflegen. Es kommt dies daher, weil Rabbiner und Lehrer der Verwaltung der geistigen Angelegenheiten des Judentums fern gehalten werden und diejenigen Männer, welche mit Auszeichnung die äußeren Angelegenheiten verwalten, auch berufen sind, die inneren zu pflegen, wofür sie meistens weder Verständnis noch Interesse haben. Der Achawa-Verein verdankt seine Blüthe fast ausschließlich der Thätigkeit und Energie seiner Verwaltung und der reichen Unterstützung, welche er in der Gemeinde Frankfurt findet. Der Verein zählt jetzt 267 active Mitglieder und hat ein Vermögen von 150000 Mk. Zur Verteilung kamen 8500 Mk. und ein Reservefond von 2000 Mk. steht wieder zur Verfügung. Bon dem vorjährigen Reservefond wurden 1600 Mk. verteilt. An der diesjährigen Verteilungssumme sind 54 Pensionäre mit 65'/z Quoten berechtigt. Die Quote stellt sich demnach auf 130 Mk.; es finden sich Pensionäre mit 3 solcher Quoten, also einer Jahres- Pension von 390 Mk. — Das Pflegeamt der Versorgungs-Anstalt für die Israeliten zu KranKfurt a. M. hat einen Bericht über die Jahre 1881—1885 ausgegeben. Das Pflegeamt geht mit dem Gedanken um, durch einen Neubau größere Räume zu gewinnen. Möge es darin reiche Unterstützung finden. 4 Männer und 11 Frauen fanden sich Januar 1885 in der Anstalt. — Der Mendelssohn-Berein in Tranlrsurt a. M. hielt am 15. December eine General- Versammlung, am 21. December einen Vereinsabend ab. Am 4. Januar hielt Herr Referendar Ä. Blau einen Vortrag im Mendelssohn-Verein über „Was will und soll der Mendelssohn-Verein", der von Damen und Herren besucht war und mit vielem Beifalle ausgenommen wurde. Wir werden denselben demnächst zum Abdruck bringen. — In Minden ergeht von einem Christen in einer Brochüre, der Statuten beigegeben sind, die Aufforderung zur Bildung eines Leffing-Mendrlssohns-Vereineg. Die Mitglieder des Vereins sollen nach Z 10 der Statuten die Farbe blau und grün an einer Tuchnadel oder an einem Knopfe tragen. — Viel Aufsehen erregte ein Artikel der „Berliner Bolkszeitung" „Zur praktischen Lösung der Judenfrage". In diesem gegen den Antisemitismus gerichteten Artikel würde auch den Juden der Borwurf gemacht, daß sie durch starres Festhalten an manchen nationalen Eigentümlichkeiten, die jedes religiösen Inhaltes entbehren, einen gewissen Anlaß zu der antisemitischen Bewegung gegeben haben. Sie schreibt: Die möglichst rasche Beseitigung aller solcher in die jüdische „Religion" eingedrungener, zum religiösen Denken und Empfinden aber längst in keinem Zusammenhänge mehr stehender fremdländischer Sitten oder Unsitten liegt im dringendsten Interesse der Juden selbst. Die fernere Aufrechthaltung des Veralteten und Ueberlebten kann nur schaden. — Hier gilt Goethe's Wort in vollem Maaße „Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage". Es heißt ferner in diesem Aufsatze: „Eine Forderung muß in dieser Beziehung freilich mit Nachdruck an die Juden selbst gerichtet werden, daß sie das Judentum lediglich als Glaubeusgenossenschaft in keiner Weise als Volksgenossenschaft aufzufassen sich gewöhnen." Obgleich die antisemiiische Bewegung daraus ihre Berechtigung nicht herleiten kann, wie die sonst klar schauende Volkszeitung meint, so bleibt diese Stimme immerhin für die innere Entwicklung des Judentums beachtenswert. — In Wien starb am 9. December der Gemeinderat Herr Johann Kropf, ein Christ, der einen Krankenunterstützungsvecein mit dem hebräischen Namen „Ollssöä svdsl Emeth" (Wahre Mildthätigkeit) gründete, dem er bis