Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 das Wahre. Im Religionsunterrichte sollen nur Aussprüche, die im Pentateuche enthalten sind erwähnt werden. Herr Freund geht dann auf andere Lehrgegenstände über. In Geographie verlangt er die Erdbeschreibung des Staates nur in welchem das Mädchen lebt ebenso auch vaterländische Geschichte. Auch sollen die Mädchen die hebräische Gebete übersetzen können, damit sie ihre Andachtsübungen gehörig verrichten können. „In Schlesien", schreibt der Autor, „wird die Bildung der jüdischen Mädchen fast gänzlich vernachlässigt." Von Deutschland werden hervorgehoben die Töchterschulen in Frankfurt am Main, Dessau und Berlin. Die Anstalt in Dessau, die 1813 bereits 9 Jahre stand unter Leitung des Herrn David Fraenkel, rühmt der Verfasser mit der Bezeichnung „merkwürdig." „Nicht minder", schreibt er, „ist in Frankfurt a. M. die Karlsschule für Knaben und Töchter unter Leitung des Herrn Geisenheimer bekannt." — „Der Schulplan von Herrn Jakob Stern entworfen und von Fürst Primas gebilligt, ist sehr gut gearbeitet." Vom Auslande erwähnt Freund die Karolinaschule aus Dänemarks Hauptstadt, die sehr gut fundiert ist und eine gute Einrichtung hat. In Breslau waren damals zwei Anstalten hervorzuheben, die Industrie-Anstalt für arme Mädchen unter Leitung des Herrn Tobias Horn, der nebst drei Damen die Oberaufsicht über diese Anstalt leitete und eine Töchterschule für gebildete Mädchen daselbst unter Leitung des Herrn Dr. Frankholm. Im Mai 1813 wurde auch in Berlin eine Töchterschule von Herrn Dr. Jerome Heynemann eröffnet. Aus einem 'Morlrage üßer Mrofelen und Mrofelismus. An« 8. Dezember hielt Herr Rabbiner Dr. Frank aus Köln im „Verein für jttd. Litteratur" einen äußerst interessanten und lehrreichen Vortrag über „Profeten und Profetismus." Es kann hier mit Rücksicht auf den knappen Raum, der einem derartigen Referat zur Verfügung steht, nicht meine Aufgabe sein einen umfassenden Bericht iiber den in Form und Inhalt vollendeten Vortrag zu geben. Vielmehr sei es niir gestattet, einige der wichtigsten Gedanken des Redners in gedrängter Darstellung wiederzugeben. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die zahlreichen Zuhörer den Ausführungen des Redners, der ihnen von den Profeten, den Pionieren der Geistesarbeit, ein recht anschauliches Bild entwarf. Nachdem Redner in der Einleitung der verschiedenartigen Auffassungen, die im Laufe der Zeit über die Wirksamkeit der Profeten hervortraten, kurz Erwähnung gethan, gab er eine klare und durchsichtige Erklärung des Profetischen Berufes, wie sie sich an die hebräischen Beziehungen Nabi und Chose oder Roeh knüpfte. Seit Samuel bildeten die Profeten einen eigenen Stand; im Talmud (Chagiga) wird Samuel der Lehrer der Profeten genannt. Der Profetismus war keine erbliche Würde; die meisten Profeten kamen ohne Vorbildung in ihr Profetisches Amt, hatten keine Profeten als Väter, was ans Amos (7, 14) „Ich bin kein Profet und auch keines Profeten Sohn" deutlich hervorgeht. *) Die profetischeu Inspirationen waren kein dauernder Gemütszustand, sondern beruhten lediglich auf göttlichen Offenbarungen. Diese Offenbarungen geschahen teils im Traume, zumeist in wachem Zustande; der Profet hatte von diesen göttlichen *) Beu-nabi bedeutet in dieser Stelle nicht Profetensohn, sondern „Profetenschüler" vgl. 2. Kön. 2, 3. Die Frage, ob Profeten solche auch zu Vätern hatten, behandelt der Talmud (Megilla 15 a). Red.