Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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"TW.?-' ^%^-sfsj- \ :w-\‘,r'''f^pvPtirwti,yTtfl&‘ ■j’U^r-'-’i^f — 33 — ist, den freilich ein nur mit Elementarkenntnissen ausgerüsteter Lehrer nicht erteilen kann; daß ferner der kurze Schulunterricht in den ersten Kinderjahren nicht ausreicht, um das Judentum sammt den Differenzlehren des Christentums zu begreifen; daß überhaupt die religiöse Erziehung des Hauses ebenso wichtig ist, wie der religiöse Unterricht in der Schule, um den drohenden Gefahren des Lebens zu entgehen. Von verschiedenen Seiten wurde ich bei dieser Gelegenheit gefragt, was unter einem „persönlichen" Gotte zu verstehen sei und ob die jüdische oder christliche Gottesanschauung den Vorzug verdiene. Meine Antwort und Erklärung interessiert auch wohl in weiteren Kreisen und deren Veröffentlichung dürfte vielleicht zur Aufklärung und Abwehr dienen. Vor allem will ich indeß nicht verhehlen: Alles Wissen wird die Schwankenden nicht befestigen und retten, so man nicht darauf ausgeht, die religiöse Lehre und Ueberzeugung durch religiöse Erziehung und religiöses Leben dem Herzen teuer zu machen; nicht ausschließlich im Geiste und im Wissen, eben so sehr im Herzen und Empfinden liegt der Schwer- und Haltpunkt der Religion. Woher soll in unsrer Zeit Kenntnis von der Religion des Judentums und Interesse dafür kommen, da aller oder ausreichender Unterricht und befriedigende Aufklärung darüber fehlen, Mahnung daran und Uebung darin entbehrt werden? Das religionsbedürftige Gemüt nimmt da auch falsche Lehren in sich auf, der Untergehende greift auch nach einem Strohhalm, um sich zu retten. Auf eine tabula rasa „leere Tafel" läßt sich Alles schreiben; der urteilslose Geist nimmt Alles an, was man ihm bietet, das trostleere und -bedürfttge Herz ist von Allem beftiedigt, was ihm zur Aufrichtung und Stütze gereicht wird. Wer vermag da das Falsche und Trügerische leicht zu erkennen und vom Wahren und Haltbaren leicht zu unterscheiden? Das Christentum lehre einen „persönlichen" Gott. So wird behauptet. Wir fragen: Nicht auch das Judentum? Die Forderung eines „persönlichen" Gottes ist richtig; der philosophische Gottesbegriff der Pantheisten, Materialisten und Atheisten befriedigt weder den Verstand des Denkenden noch das Gemüt des betenden Menschen. Auch der philosophisch gebildete Dichter Heinrich Heine kommt zuletzt zu der Erkenntnis, daß er eines persönlichen Gottes bedürfe, der, wie er sagt, „die Ellenbogen frei habe" d. h. mit Freiheit und Bewußtsein handeln könne, zu dem er zu beten, und der zu helfen vermöge. Das Juden- und Urchristentum lehren auch einen solchen persönlichen Gott, der nur im Geiste zu denken und anzurufen, nicht aber körperlich dar- und sinnlich vorstellbar ist. Auch die Engel werden geisterhaft gedacht, uukörperlich und unsichtbar; sie erschienen daruni in Wolken gehüllt, von den Flügeln bedeckt und in wallenden Gewändern, welche die Körperformen verhüllen und nicht sichtbar hervortreten lassen. Erst als die neue Religion durch jüdische Apostel den Heiden gebracht wurde, lag diesen, die an sinnlich wahruehiubare und plastisch darstellbare Götter gewöhnt waren, der Begriff eines blos im Geiste gedachten und anzurufenden Gottes zu fern. Man gab ihnen daher die Person Jesu als den vermenschlichten Gott, der körperlich und sichtbar erschienen, der sinnlich wahrnehnibar und körperlich darstellbar sei. Selbst der philosophisch gebildete, römische Geschichtsschreiber Tacitus erklärt die Juden als abergläubisch, weil sie einen nicht sicht- und greifbaren, blos im Geiste gedachten Gott anbeten. Auch die Marterialisten verwerfen nicht nur die religiöse, sondern auch die philosophische Lehre von einem blos geistig gedachten, nicht sinnlich vor- und darstellbaren Gott. Sie binden die göttliche Schöpfer- und Triebkraft in der Natur an einen bestimmten Gegenstand der Statur, unterscheiden zwar „Kraft und Stoff", aber trennen sie nicht. Die