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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-02-01 · Heft 2 (1.2.1887) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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'V'-'W.M1 — 32 — ein kleines Königreich in den Pyrenäen weitgehende Toleranz gegen sie ausübt, wo sie in Frieden leben, alle Handwerke und Künste üben, hohe Vertrauensstellen einnehmen, sogar königliche Prinzen erziehen. Wir sehen, wie es nicht die Völker sind, welche Judenhaß hegen, sondern, daß derselbe künstlich und von wahnbefangenen Agitatoren erst in ihnen erregt werden muß, um seine unheilvollen Wirkungen zu äußern. Die Juden waren in jener Zeit die gesuchtesten Handwerker und Künstler, Ärzte und wissenschaftlich gebildete Lehrer, — nur eine maßlose Verfolgung, die gerade in dieser Zeit, die wir geschildert, recht beginnt, konnte sie solchen Bethätigungen edlerer Industrie und allgemeiner Wissenschaft entfremden und sie dem einzigen Handel in die Arme führen. Es ist wichtig, auf solche Perioden, die einen Wendepunkt in der Geschichte bezeichnen, immer auf's Neue hinzuzeigen. Auch die heutige Zeit bildet einen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte — immer bestimmter wird der Jude auf handwerkliche und industrielle Bestrebungen im Bunde mit der ganzen übrigen Menschheit, seinen Mitbrüdern, hingewiesen. Möge er durch die Erinnerung an seine sich auf solchem Gebiete auszeichnenden Ahnen Kraft und Mut gewinnen, sich seiner Aufgabe würdig zu zeigen. dl. 8. Religiöser Indifferentisrnus und Aöfall. Die in auffälliger Zunahme begriffene religiöse Gleichgültigkeit hat auch sehr oft den völligen Abfall von der Religion zur Folge; denn Gleichgültigkeit gegen das religiöse Bekenntnis ist das Zeichen für dessen Geringschätzung, der Weg zu dessen Verwerfung. Der Abfall vom Judentum ist eine Folge der Gleichgültigkeit gegen religiöses Bekenntnis und Leben überhaupt, aber auch eine folge der Unkenntnis von dessen Wahrheit und Werth. Viele erkennen das umanitätsprinzip für ein sittliches Denken und Handeln als ausreichend an, aber verkennen, daß eine stete und dauernde Moralität nicht in den Irrungen und Leidenschaften des menschlichen Geistes und Herzens allein festen Halt haben kann. Andere betrachten selbst den Wechsel der Religion als etwas Gleichgültiges, weil man trotz derselben doch innerlich dasselbe bleibe. Diese vergessen, daß das neue Bekenntnis solche Anschauung Lügen straft, und selbst ein stiller Vorbehalt oder das stumme Bekenntnis oder eine später veränderte Auslegung desselben den Uebertritt immer noch nicht rechtfertigen, sondern als eine offene oder innere Lüge erscheinen lassen. Aber es werden auch Fälle genannt, in denen angeblich der Religionswechsel auf Ueberzeugung beruhen soll. Mir ist ein solcher bekannt geworden — aus einer Familie, welche vollständig in religiöser Unkenntnis und Apathie verharrt hat und noch verharrt, — und doch soll der Uebertritt auf Ueberzeugung beruhen! — Eine junge Dame dieses Hauses hat sich taufen lassen und rühmt und freut sich jetzt der neugewonnenen Ueberzeugung. In einer christlichen Pension — man erkennt aufs neue die damit verbundene Folgen — lernte sie einen evangelischen Missionär kennen, welcher das Herz des Mädchens und dann auch um so leichter den Geist desselben gefangen nahm. Sie erkennt jetzt den Vorzug des Christentums darin, daß dasselbe ihr einen persönlichen Gott gegeben habe, den sie im Judentum entbehre und vermisse. Man erkennt daran wieder, wie notwendig ein vollständiger und fortgesetzter Religionsunterricht

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