Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1887)
- Date
- 1887-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 lichen Feinde unbewaffnet überrascht zu werden. Es wurden polemische Schriften gegen das Christentum zur Abwehr und zum Angriff verfaßt. So richtete Josua Ion Vives ein Sendschreiben gegen seinen Lehrer, den früheren Rabbiner Salomo Levi, späteren Apostaten Paulus de Santa Maria, worin er sagt, daß, da Niemand verpflichtet sei, andere Religionen auf ihr Bessersein zu prüfen, jeder in seiner angestammten Religion auf Seligkeit rechnen köune, — wo bliebe sonst der feste Glaube, wenn das Gewissen in steter Unruhe sein müsse, ob man auf dem rechten Wege zur Seligkeit sei? Es war dies ein Wink für die vielen zum Christentum übergetretenen Juden, Marannen genannt. (Marrano stammt nach portugiesischen Historikern von Maranatha, „verwünscht, verdammt", her, nach 1. Korinth. 16, 22.) Energischer noch trat Chasdai Crescas (1340—1410) aus Barcelona auf in einem in spanischer Sprache geschriebenen Traktate, worin er sagt: „Das Christentum giebt sich als eine verbessernde und ergänzende Offenbarung des Judentums aus. Wo bleibt aber die Gewißheit dieser Offenbarung, da zwei Päpste und ihre Anhänger gegeneinander Bannbullen schleudern, und sich gegen-. seitig zur Hölle verdammen?" Ueberhaupt war das Zeitalter Disputationen zwischen jüdischen uud christlichen Gelehrten günstig, und wurden die Juden von den Herrschern gezwungen diesen beizuwohnen. 'Unter Heinrich II. (1369) erhielten in Castilien zwei getaufte Juden die Befugnis in jeder Provinz und Stadt Religionsgespräche veranstalten zu dürfen und die Juden zu zwingen, sich dazu einzufinden. So fanden in Burgos und Avila Disputationen statt, wenngleich die berühmteste diejenige von Tortosa war, die ein Jahr und mehrere Monate, vorn Februar 1413 bis 12. November 1414 anhielt und unter dem Vorsitze des Nebenpapstes Benedictus XIII. selbst stattfand. Das Judentum trat ebenbürtig gegen das Christentum auf, und stellte in Joseph Albos Religionsphilosophie den christlichen Grundsatz par excellence auf, daß das Seelenheil das Ziel des Menschen sei, das ihm hienieden gesteckt sei, und vom Judentum ganz besonders gefördert werde; das höchste Glück bestehe nicht so sehr in der Erhebung als in der Rettung der Seele. In diese Zeit der Nachwehen des „schwarzen Todes" wo so manche jüdische Gemeinde ganz ausgerottet und vernichtet war, die Juden in Deutschland Todesverfolgungen (besonders in Prag unter der Regierung Wenzel's) erlitten, in Spanien durch die Predigten des fanatischen Priesters Martinez gereizt, das Volk in Sevilla gegen die Juden aufstand, wo am 1b. März 1391 das Ungeheuer „Inquisition" keimte und am 6. Juni 1391 die ganze jüdische Gemeinde vernichtet wurde, in diese Zeit geistiger und körperlicher Verfolgung der Juden versetzt uns eine kürzlich aus spanischen Archiven hervorgezogene Urkunde. In der Academia de la Historia zu Madrid befindet sich ein Werk, welches der gelehrte Direktor dieses Institutes Vargas y Ponce um das Jahr 1805 zusammengestellt hat, „Libros y on Holde o astante Grande y otros Intsrumentos concernientes & la muerte, entiero y sepultura del Segnor Rey Don Carlos el Malo.“ (Bücher und weitgehender Katalog und andere Schriftstücke betreffend Tod, Bestattung und Begräbnis des Königs Don Carlos, des Bösen.) Aus diesem Bliche eines Archives, welches unser» Schriftstellern gewiß noch eine reiche Quelle historischer Belehrung zu bieten vermag, bringt der Schriftsteller Pedro de Madrazo im „Almanaque“ der „Ilustraeion“ von 1885,