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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-02-01 · Heft 2 (1.2.1887) · p. Seite 29

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 darf. Hier die Idee für die Ewigkeit des Judentums, welche also nicht auf fremdem, sondern auf dem ureignen Grundgebiete des Judentums und der Juden, der Bibel, entstanden und gewachsen ist, eine ächt orientalische Pflanze, welche wie so viele andere, auf den Boden des Occidents übertragen und hier auf fremdem Erdreich anders geartet ist. Das Buch Jona galt immer bei den Juden als ein tief sinniges, aber schwer zu deutendes. Es kommt heute noch der Vorschrift und Uebung nach alljährlich am heiligsten Tage und Feste des Jahres, dem Versöhnungstage, in der Synagoge zur öffentlichen Vorlesung. Ausdrücklicher Bestimmung gemäß soll es aber nur von einem Verständigen und Auserlesenen der Gemeinde vorgetragen und gedeutet werden. Mißdeutung und Mißverständnis sollen verhütet, die rechte Deutung und das rechte Verständnis sollen gegeben werden. Alzey. vr. Rothschild. Aus spanischen Archiven. Der Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts war in Spanien eine Zeit des Verfalles, die in vielen Stücken der heutigen Zeit, in der wir leven, ähnlich war. Die meisten spanischen Rabbinen waren entweder geradezu Feinde der Wissenschaft und namentlich der Religionsphilosophie oder, was noch schlimmer war, gleichgültig dagegen. Maimunis religionsphilosophischer „Führer" war vergessen, und Jbn Esra, dieser mehr geistreich witzige, mehr verhüllende als aufdeckende Exeget war in Mode gekommen und sagte dem geistesschwachen Geschlechte mehr zu. Die Teilnahmslosigkeit an wissenschaftlichen Bestrebungen erzeugte eine so auffallende Unwissenheit, daß Dinge, welche früher jedem Halbgebildeten geläufig waren, in dieser Zeit als eine unerreichbare, hohe Weisheit galten, um die man sich nicht kümmerte. Salomo Alami schildert in seinem „Zuchtspiegel" oder „Warnungsbrief" (verf. 1315 in Portugal) die Zeit wie folgt: „Die meisten jüdischen Großen, welche an den Höfen der Könige verkehren, denen die Schlüssel zu den Staatsschätzen übergeben wurden, thuen stolz auf ihre hohe Stellung und gedenken nicht der Armen. Sie bauen sich Paläste, fahren auf Prachtwagen oder reiten auf reichgeschmnckten Mauleseln, tragen Prachtgewänder und schmücken ihre Frauen und Töchter wie Fürstinnen mit Gold, Perlen und Edelsteinen. Sie sind gleichgültig gegen die Religion, verachten die Bescheidenheit, hassen die Händearbeit und fröhnen dem Müßiggänge. Die Rabbiner sind verachtet; denn alle Klassen weuden ihre Söhne lieber dem niedrigsten Handwerke zu, als sie zum Studium des Gesetzes erziehen zu lassen. Bei der Predigt überlassen sich die Vornehmen einem süßen Schlummer oder schwatzen mit einander, und der Prediger wird durch das Lärmen von Männern und Frauen hinter der Synagoge gestört. Sie geben nur, um sich einen Namen zu machen. In jeder Stadt leben die Vornehmen in Streit mit einander; wegen niedriger Sachen regen sie Zwietracht an." Die tiefer blickenden Juden, welche einsahen, daß die schwersten Prüfungen über ihr Volk im Anzuge waren, versahen ihre Glaubensgenossen für die Heit des bevorstehenden Kampfes mit Schild und Speer, um nicht von dem unerbitt-

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