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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-02-01 · Heft 2 (1.2.1887) · p. Seite 28

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 diesen Fremden gleich zu sein. Ganz nach dem Thun Israels aller Zeiten, welches nichts weniger als eine emsige und rege Thätigkeit für seine heilige Mission entfaltet. Da aber droht ihm Gefahr; das Schiff, welches Jona bestiegen, wird von einem Sturm erfaßt und ist in Gefahr unterzugehen. Israel hat nur Bestand durch treues Festhalten an seiner Religion und an seinem heiligen Berufe; nur hierin liegt die Erklärung für seinen rätselhaften Fortbestand. Außerhalb seiner Religion hat Israel keine Bedeutung und keinen Grund für seine gesonderte Forterhaltung. Die Not des Schiffes bedroht aber auch die anderen Schiffsleute und so wird Jona als scheinbarer Veranlasser dieses Unglücks ins Meer geworfen. Gerade so wird Israel aller Zeiten angeklagt, die Schuld an der Misere der Menschheit zu tragen und muß dafür leiden, wird mit Tod und Untergang bedroht. Jona kommt in den Bauch des Fisches, als Bild seiner Notlage. Zwar wird Jona alsdann seines Unrechtes inne, er wendet sich zu Gott und hofft dafür, wie immer, Hilfe bei Gott zu finden. Alle -Not und Verfolgung kann Israel nicht den Untergang bringen, so es bei seinem Gott und Berufe verharrt. Jona wird gerettet — Israel bleibt erhalten. Jona geht nach Ninive Buße predigen, die Stadt bekehrt sich und wird gerettet. Jona erkennt dies als ein Werk der göttlichen Liebe und Nachsicht (4, 2), welche dem Bußfertigen gerne verzeiht, den Reumütigen gerne wieder aufnimmt. Jona aber hält sich außerhalb der Stadt; er traut der Besserung nicht, hält sie für keine wahrhafte und dauernde, sondern nur für eine formelle, äußerliche Buße in Sack, Asche und Fasten. Er sitzt außerhalb der Stadt und wartet der Dinge, die geschehen, ob er in wahrhafter Nächstenliebe hereingezogen und ausgenommen werde, oder ob wegen neuen Ab- und Rückfalls Gottes Strafandrohung über Ninive doch noch in Erfüllung gehe. Man läßt Jona draußen sitzen, schließt ihn aus und nimmt ihn nicht auf. Dies ist das Bild von dem Verhalten der Völker gegen Israel, welche den Gott der Liebe und den Grundsatz der Nächstenliebe vom Judentum angenommen haben und doch in Lieblosigkeit gegen Israel verharren. Die Sonne stach Jona gar sehr, ein Bild der neuen Noth; — Israel duldet durch lieblose Ausschließung gar sehr. Gott verleiht Jona ein schützendes Obdach, ein notdürftiges Pflanzendach zwar nur, aber doch vorläufig ausreichend. Jona verdankt es nicht der Liebe der Menschen, sondern der Gnade Gottes. Notdürftig genug waren und sind oft die Stätten des Aufenthalts, worin man Israel verstoßen; aber wunderbar genug werden sie auch dort von Gottes Gnade erhalten. Jedoch auch unter diesem Dache findet Jona keinen dauernden Schutz; die Pflanze verdorrt, und neue Not kommt über Jona, — über Israel. Jona wünscht sich den Tod; Israel ist der endlosen Leiden und des ewigen, aber vergeblichen Ringens und Strebens für die Menschheit müde. Ich will sterben und harre der Erlösung von meinem schweren Berufe und meinen harten Mühen und langem Dulden dafür. So spricht Jona. Könnte nicht auch so Israel sprechen? Nein, sagt Gott, du mußt fortleben und fortstreben; das Judentum ist ewig, es kann und darf nicht aufhören und untergehen — um der Wahrheit, um deinet- und der Menschheit willen. Ich muß mich Ninive's erbarmen, denn alle Völker und Menschen sind meine Kinder, welche am Ende mich alle erkennen und in Wahrheit mir dienen werden. Harre aus Jona, — lebe und strebe fort, Israel; es gibt einen Lohn für dein Thun und eine Zukunft für dein Hoffen (Jer. 31, 16 u. 17). Hier haben wir die Grundidee für den ewigen Juden, der fortleben und streben, wandern und dulden muß und wider Willen nicht sterben kann und

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