Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-02-01 · Heft 2 (1.2.1887) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969740-2969743--1872-2972033
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

27 eigentlich doch nur das, was beide Religionen vom Judentum angenommen und ererbt haben: die monotheistische Gotteserkenntnis und die reine Sittlichkeit. Hiermit sind sie in die Welt gegangen und haben Propaganda gemacht. Ganz so wie es der Prophet Zacharias (14, 8 u. 9) schon weissagt: „In jener Zeit wird lebendiges Wasser von Jerusalem ausgehen, die eine Hälfte wird in oas östliche und die andere in das westliche Meer fließen. Dann wird Gott als der Herr der ganzen Erde anerkannt werden, Gott wird einzig sein und sein Name einzig." Die Dichter fassen dieses Streben als ein ernstliches auf schildern es vom humanistischen Standpunkte (s. oben); die Bibel faßt es als ein göttliches und religiöses auf, womit Israel, als der erstgeborene Sohn Gottes und als der erste Träger der Gottesreligion und des priesterlichen Gottesberufes betraut worden ist. Mit ihm sind als Beteiligte dieses Berufes und als Mitarbeiter im Weinberge des Herrn auch Christentum und Islam (lebendiges Wasser von Jerusalem) ' berufen, jenes zunächst und hauptsächlich für den Occident (westliches Meer), diese für den Orient (östliches Meer). Denn man soll es sich nicht verhehlen und es tritt neuerdings sogar wieder mit größerer Deutlichkeit hervor: im Orient hat das Christentum noch keinen festen Fuß gefaßt, auch an den wenigen Plätzen nicht, wo es es eine beschränkte Auf- und Annahme gefunden hat. Der Islam bleibt vorläufig den orientalischen Anschauungen angemessener und genehmer. Den Grund untersuchen wir hier nicht; die Thatsache steht aber fest. Darüber täusche man sich und andere nicht. Die Idee von der Ewigkeit des Judentums, von dem endlichen Siege und der allgemeinen Anerkennung seiner Wahrheit, findet sich oft in der Bibel; das prophetische Buch Jona ist derselben ganz und ausdrücklich gewidmet. Jona ben Amitai ist zwar ein historischer Name, hier jedoch dient er symbolischen Zwecken; das ganze Buch ist eine Dichtung, eine Parabel, nach biblischer, überhaupt jüdischer und auch allgemein orientalischer Weise. Jona heißt „Taube" und Ben Amitai „Sohn des Wahrhaftigen"; beide Benennungen enthalten Beziehungen zum Volke Israel. „Taube" ist eine bekannte Bezeichnung für Israel in Rücksicht auf das Lebensgeschick, wodurch es schon frühzeitig zu einem vielfach umhergetriebenen und eingeschüchterten wandernden Volke gemacht wurde. Die Taube ist auch Symbol der Unschuld und Liebe und auch in dieser Beziehung passende Bezeichnung für Israel, welches unschuldig leidet und Träger der Religion der Liebe ist. „Sohn des Wahrhaftigen" heißt Israel, weil Gott es als ersten Träger seiner Gotteslehre, als seinen „erstgeborenen Sohn" bezeichnet hat; Gott aber heißt „der Wahrhaftige", sein „Siegel ist Wahrheit" d. h. seine imprägnirte und charakteristische Eigenschaft ist „Wahrheit". Gottes Wort und Lehre ist wahr; Gott selbst ist die Wahrheit. Israel hat sein Wort, f ine Lehre zu verkünden. Jona erhält den Auftrag, nach Ninive, in eine fremde Stadt, zu einem fremdem Volke zu gehen, um Gotteserkenntnis und Buße (Bekehrung) zu predigen. Außer den vielen anderen Beweisen liegt auch Hier wieder ein Beweis aus der Schrift von dem üniversalismus des Judentums vor. Der Gott Israels ist ein Gott aller Menschen und Völker, nicht ein National-Gott der Juden, und die Religion dieses Gottes ist keine National-Religion Israels, sondern bestimmt, zu allen Völkern getragen und von ihnen angenommen zu werden. Jona, der Prophet und Repräsentant Israels, hat den Auftrag erhalten, den Namen und die Religion Gottes unter den Völkern zu predigen. Jona entzog sich diesem Aufträge, bestieg dafür lieber ein Schiff und begibt sich unter die Fremden, um 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.