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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-02-01 · Heft 2 (1.2.1887) · p. Seite 26

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 2 (1.2.1887)
Date
1887-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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26 Das Christentum hält sich nämlich für die höhere Vollendung des Judentums, aber nicht nur die Rolle der Inferiorität wird diesem zuerkannt, sondern der oppositionelle Fortbestand desselben wird als eine Nothwendigkeit und Strafe angesehen, um fortwährend von der Superiorität des Christentums vor aller Welt sichtbares Zeugnis zu geben. Dafür die Zerstreuung des Juden in alle Welt, seine ewige Wanderschaft, seine Unterdrückung und Verfolgung, überhaupt seine Paria-Stellung, — alles dies ist notwendig im Interesse des Christentums. Der Jude soll nicht Ruhe finden, er ist zum ewigen Dulden und Umherirren verdammt. Ein sprechendes Zeugnis wäre dies von christlicher Liebe und Gerechtigkeit! Der Jude muß ewig leiden und als Beispiel moralischer und socialer Verkommenheit dastehen; die Bekehrung und Vernichtung des Judentums wird erstrebt, aber der Jude darf auffälliger Weise zu existiren nicht aufhören, im Christentum nicht aufgehen und Erlösung finden, denn die lebendige Opposition des Judentumes schafft dem Christentum einen Reiz zum Gegensatz, eine wirksame Polemik und erhaltende Kraft. Ein offenbarer Widerspruch, dessen Lösung nur in der Absicht liegt, sich in dem Juden nur einen willkommenen Prügelknaben zu schaffen. Man duldet den Juden nicht, kann ihn nicht entbehren, nicht einmal in der Religion, geschweige im Leben. Man verjagt ihn, und doch ist er überall; man verbrennt ihn und doch stirbt er nicht; man räumt dem Judentum keine Existenz ein, und doch hört es nicht auf, sondern erstarkt. Das Judentum und seine treuen Bekenner stehen eben im Schutze Gottes. Die Christen sagen: das Judentum wird erhalten, um in seiner Niedrigkeit für den höher» Glanz des auf ihm gebauten Christentums zu zeugen. Dies bedeutet die Sage vom ewigen Juden nach christlicher Auffassung. Wie so Vieles im Judentum vom Christentum zu polemischen Zwecken umgebildet worden ist, so hat man auch die Idee vom ewigen Juden oder von der Ewigkeit des Judentums, die Idee, daß das Judentum nie aufhören und sterben könne, sondern überallhin sich ausbreiten und wandern, ewig bestehen müsse, dazu verwandt. Es läßt sich denken, daß der christlichen Polemik die Idee von einem ewigen Judentum unerträglich war; man konnte sie neben der christlichen Kirche, worin allein die ausschließliche Wahrheit sei, nicht aufkommen und bestehen lassen. Man mußte sie bekämpfen und vernichten, und dies geschah in der christlichen Färbung und Umbildung der Idee vom ewigen Juden zu einem Mythus, wonach Gott den Juden gestraft und verdammt habe, der Jude die ewige Qual und das ewige Sterben darstelle und doch von seiner Qual weder befreit werden, noch in seinem Sterben durch Annahme des Christentums Ruhe und Erlösung finden könne. Auch der Christ gewordene Jude gelte noch als „getaufter Jude". Hamerling ahnt die Wahrheit. Er spricht in seinem Epilog, daß mit dem ewigen Juden die Ewigkeit des Judentums gemeint sein könne; aber er verwirft sonderbarer Weise diese Auffassung, weil trotz des Fortbestandes des Judentums und der Kraft, welche dazu der jüdischen Race und Religion innewohne, die jüdische Religion doch bis jetzt so wenig Ausbreitung gewonnen habe, daß ihr die meisten Menschen noch fremd gegenüberständen. Wohl scheinbar wahr! Aber verhält es sich mit der christlichen Religion nicht ähnlich? Steht dem Christentum trotz seiner propagandistischen Thätigkeit nicht noch eine weit größere Zahl von Heiden gegenüber? Aber nur scheinbar fehlt dem Judentum der Zuwachs an Proselyten. Denn was dem Christentum und Islam die Macht der Wahrheit und die Kraft der Ausdehnung gegeben hat und gibt, ist

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