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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 17

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 Rabbiner in Deutschland einen Auftuf erlassen, er wolle ein internationales, orthodoxes Judentum gründen. Es sollen sich dieser Vereinigung anschließen alle Juden, die nicht Käse mit Würmern essen wollen oder nicht Chokolade trinken, die nicht fabriziert ist bei Bondy & Comp, in Mainz. Man meint, schreibt die „Zukunft", daß das ganze Judentum nichts anderes als eine Eß-Religion wäre. Diese Vereinigung, heißt es ferner, wird von Kaufleuten unterstützt, die mit der Religion ein Geschäft machen. Wir sehen, das Treiben der deutschen Pseudoorthodoxen. durch die das Judentum geschändet wird, ist sogar den polnischen Juden, und die können wahrlich viel vertragen, denn doch schon zu arg. — In Prag wurde am 11. September Herr Dr. Joses Schlesinger zu Grabe getragen. Er war ein bedeutender Sprachkenner, der viele Jahre an einem Werke „Vergleichende Etymologie sämtlicher Sprachstämme" gearbeitet hat. — In Wien wurde am 4. November der Druckereibesitzer Jacob Schlosiberg auf offener Straße durch einen Bettler, Namens Gerhardus Kreitter, den er abwies, erstochen. Schloßberg hat sich hauptsächlich mit dem Drucke hebräischer und rabbinischer Werke befaßt. Aus seiner Druckerei gieng in den sechziger Jahren eine der splendidesten Ausgaben des babylonischen Talmud hervor. Bei der Beisetzung der Leiche am 7. November hielt Herr Prediger Di\ Iellinek eine ergreifende Grabrede, in welcher er auch Schloßbergs Verdienste um die jüdische Litteratur, seinen Fleiß und sein rastloses Streben hervorhob. — Aus Döbling-Wien schreibt man uns: Am 29. Oktober wurde die bekannte Wohlthäterin Fräulein Minna Gomper;, die Schwester des Professor Theodor und des Reichsratsabgeordneten Julius Gomper;, zu Grabe getragen. Ihre Ruhestätte ist die erste jüdische Gruft auf dem Döblinger Ortsfriedhofe. Der Leichenfeier wohnten viele hervorragende Persönlichkeiten und ein sehr distinguiertes Publikum bei. Die Grabrede hielt der Rabbiner der Währinger Kultusgemeinde und Prediger zu Döbling, Herr Dr. A. Prüll; die rituellen Gesänge und Gebete wurden vom Oberkantor I. Singer mit seinem Chore ausgeführt. Beide Leistungen, sowohl die des Predigers als die des Oberkantors fanden die verdiente Anerkennung. — In Wien starb am 25. November der bekannte Schriftsteller Dr. Leopold Kompert, geboren am 15. Mai 1822 in Münchengräh. Er war gleich hervorragend als Mensch wie als Schriftsteller. Am 25. November fand das Leichenbegängnis statt. Prediger Dr. Iellinek pries die Tugenden und Verdienste des Verstorbenen. Alle Schätze der Poesie, welche im Judentum ruhen, habe er mit seinem Gemüte erfaßt. Das Judentum war ihm eine großartige Dichtung, vor Jahrtausenden begonnen und immerfort sich vergrößernd durch die Ereignisse der Geschichte. Hierauf sprach der Präsident der Concordia Herr A. K. Schembera: „Wir Jüngeren," sagte er, „blicken zu ihm auf als dem Träger herrlicher Gedanken, als dem Meister der Form." Hoftat Ritter v. Weilen sprach Namens der Schillerstiftung. „Du warst gut. Ja mehr als dies, du warst die Güte selbst. Darum glaubtest du auch an Menschengüte und Menschenwert, und dieser Glaube war der Brennpunkt deines poettschen Talentes. Dieser Glaube ließ dich aus den engen Gassen des „Ghetto" und von der verstaubten Landstraße Gestalten hervorsuchen, um der Welt zu zeigen, welcher Schatz von Menschenwert und Herzensgüte in diesen verkümmerten und mißachteten Geschöpfen liegt. Ruhe in Frieden, edler hilfreicher guter Mensch!" — Am 14. November fand in Wien die Trauung der Hofopernsängerin Frästlein Araga mit Herrn Arthur Saff durch den Prediger Herrn Dr. Adolf Iellinek statt. — Am 14. November wurde in Wien der kaiserliche Rat Leopold Kitter v. Stern zur letzten Ruhe geleitet. — Die seit dem Tode des Rabbi von Sadagora, des Herrn Abraham Jacob Iriedmann, daselbst erledigte 2

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