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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1887-01-01 · Heft 1 (1.1.1887) · p. Seite 18

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
7 (1887)
Issue
Heft 1 (1.1.1887)
Date
1887-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Rabbinerstelle, die einem seiner beiden Söhne übertragen werden sollte, ist durch den jüngeren Sohn Israel Kriedmann besetzt worden. Derselbe erbt den goldenen Thronsessel und zahlt an seinen Bruder 60000 fl. ö. W., den Halbwert des teueren Vermächtnisses, aus. — Herr Dr. Sigmund Ascsri wurde zum Richter an der Königlichen Kurie in Budapest ernannt. Es ist dies die höchste Stelle die man als Richter erreichen kann. — Am 14. November wurde in Triest das hundertjährige Bestehen der dortigen israelitischen Schule gefeiert. In der Synagoge fand ein Festgottesdienst statt und in der Schule wurde eine Gedenktafel feierlich enthüllt. — Am 20. Oktober wurde die neuerbaute Synagoge in Kustas eingeweiht. — In Brünn ertönen jetzt die Klänge der Orgel beim Gottesdienste auch an Sabbaten und Festtagen in der Synagoge. Wie sich die Zeiten ändern l — Herr Kardinal v. Jürstenberg in Kremster und der Fürstprimas von Gran, Johann Bimor wurden anläßlich ihrer fünfzigjährigen Priestcrjubiläumsfeier auch von jüdischen Deputationen begrüßt. — Für das laufende Jahr hat die Wiener israelitische Kultusgemeinde 266,421.73 fl. ö. W. eingenommen. Die Ausgaben belaufen sich auf 269,652.98 fl. ö. W. — Die neunzehnte Nummer des „Israelit", welcher in Lemberg erscheint, wurde konfisziert, weil in einem Leitartikel die That« sache beleuchtet wurde, daß bei Beförderung in öffentliche Aemter die Israeliten umgangen werden. — In Kerskmcl fand jüngst ein antisemitischer Festzug an dem sich über 1000 Menschen beteiligt hatten, statt, denn Herr Cmerich Modi, der Redakteur eines antisemitischen Blattes, hat nach Abbüßung von achtzehn Monaten Gefängnis die Freiheit erlangt. — Herr Baron v. Weigel in Stockerau, hat den jüdischen Schankwirt des Ortes gerichtlich belangt, weil er ihn einen „Antisemit" genannt. Der Jude wurde mit 50 fl. ö. W. in Strafe genommen, weil das Gericht diese Bezeichnung für eine beleidigende Aenßerung hielt. — Herr General Me in Paris wurde zum Kommandanten der 10. Jnfantrieoivifion ernannt. — Herr Eduard Millaud, ein Jude, wurde zum Bautenminister in Frankreich ernannt. — In Irankreich leben ca. 85,000 Juden, davon etwa 50,000 in Paris. — In England wurden das Parlamentsmitglied John Jimon und der ehemalige Prediger der jüdischen Reformgemeinde Herr Philipp Magnus in den Ritterstand erhoben. — Am 12. November starb in London Herr A. Brill, der Herausgeber der hebräischen Wochenschrft „Halebanon". Er war ein hervorragender hebräischer Stilist. — Der Bischof von Manchester that jüngst folgende Äußerungen über die Juden: Ich verehre und liebe den jüdischen Stamm. Hätte ich mir meinen Stammbaum wählen können, so wünschte ich der Ehre teilhaftig zu sein, in meinen Adern das Blut Abraham's, Jsaak's, Jakob's, Petrus, Paulus und Eines, der größer als sie Alle zu wissen. Wir Engländer haben nicht weniger gegen sie gesündigt als der Kontinent. — In London wohnen 41,700 Juden von 110,000 in England. — Am 8. Oktober starb in Turin die Witwe des verstorbenen Rabbiners S. I. Lattes. — In Moren; wurde am 26. Oktober das neue jüdische Hospital feierlich eingeweiht. — In Kam wurde am 19. September ein israelitisches Kinder-Asyl seiner Bestimmung übergeben. — Der aus den Tagen Napoleons III. bekannte Abbe Bauer, der in Anwesenheit der Kaiserin Eugenie den neu eröffneten Suezkanal einsegnete stammt aus Budapest, woselbst er 1819 als Jude geboren wurde. Die Taufe nahm er in Frankreich an.—Herr Dr. Schwabacher in Odessa ist nach 26 jähriger Thätigkeit vorerst nicht wieder zum Rabbiner gewählt worden. Er erhielt von 871 abgegebenen Stimmen 393. Solche Schandthaten begehen israel. Gemeinden doch selten, bemerkt hierzu ein hebräisches in Rußland erscheinendes Blatt. Odessa wird von diesem Fleck sich nicht so leicht rein waschen! —

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